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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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gegen den Papst ist oberste Pflicht jedes Menschen. Mit leiden-schaftlichem Hasse verfolgt Manegold den Kaiser; in allen kai-serlich Gesinnten sieht er ohne weiteres Feinde der Kirche.

Jedenfalls predigte Manegold in solchem Sinne dem Volke.Und was uns dann von der Wirkung dieser Predigt auf die Mas-sen bekannt wird, öffnet einen Blick in die allgemeinen Zuständedes Landes, in die Volksstimmung. Haufenweise strömen dieMenschen zu Manegold; sie sind früher des Kaisers wegen ge-bannt worden; jetzt verlangen sie, unter Verleugnung des Kaisers,dass Manegold sie absolviere.

Es ist dabei eine Zeit unaufhörlicher Kämpfe, roher Land-verwüstungen. Dass der Rheinfelder Rudolf sich zum Gegen-könig erhoben hat, gibt diesen Kämpfen noch ihre besonderelokale Bedeutung. «Mit Raub und Brand verheeren die Bischöfevon Basel und Strassburg Alles, was zum Gegenkönig Rudolfhält», schreibt der Annalist. Dann greift auch der NachfolgerRudolfs im Herzogtum, Friedrich von Staufen , ein und führt denKrieg des Kaisers im Eisass. Neben ihm sein Bruder Otto, derBischof von Strassburg geworden ist.

Dieser Bischof belagert den Grafen Hugo im Schlosse Dags-burg, wird aber davon getrieben. Auch aus Strassburg muss erfliehen, und erst Herzog Friedrich kann ihn wieder hinein-bringen. Graf Hugo aber, da er nach geschlossenem Frieden beimBischof zu Gast ist, wird Nachts in seinem Bett ermordet.

Bischof Otto von Konstanz, wegen Parteinahme für denKaiser aus seinem Bistum vertrieben, stirbt im Jahre 1086 zuColmar «im Elend» und wird in Basel begraben.

Das Kloster Lautenbach wird von den Kaiserlichen zerstört,Manegold selbst auf Befehl Heinrichs festgenommen und langeZeit eingekerkert.

So kommt das Land nie zur Ruhe. Jeder Einzelne ist zuParteinahme und Bekenntnis genötigt.

Aber seit den 1080 er Jahren mehren sich die Zeichen tieferErschöpfung des Landes, der Kampfmüdigkeit Vieler.

Kaiser Heinrich und die in Mainz versammelte Synode ver-kündeten im Jahre 1085 den Gottesfrieden für das ganze Reich.Dieses Institut des Gottesfriedens , der treuga dei, war zu Beginndes Jahrhunderts durch die französische Kirche geschaffen

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