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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Gründung konnte einer Rodung rufen. Deutlich beobachtenwir am Heiligen Forste dieses Eindringen der Kultur in denWald bei der Entstehung der Stadt Hagenau , bei der Entstehungder Klöster Neuburg , St. Walburg , Königsbrück ; ein Gegenstückdazu zeigen am Südende des Elsasses die in tiefer Waldeinsam-keit sich niederlassenden Zisterzienser von Lützel.

Diese rodende Tätigkeit der Mönche ist von hoher wirt-schaftlicher Bedeutung. Daneben steht ihre geistige Macht, ihreArbeit am Kirchenleben und an der Entwicklung ihres eigenenBerufes, ihr Bewahren, Mehren und Weitergeben der Bildung.

So hat das Kloster noch immer seine nicht zu entbehrendeStellung im Dasein des Landes; jedes Wachstum dieser Kloster -weit kann noch als eine Bereicherung der allgemeinen Zuständegelten.

Von den Klöstern, die während des elften und zwölftenJahrhunderts im Eisass neu entstanden sind, nennen wir zu-nächst die folgenden: Hugshofen, Heiligkreuz, Alspach, Otmars-heim, St. Fides in Schlettstadt , St. Johann bei Zabern , St. Wal­ burg , Sindelsberg. Es sind lauter Klöster der alten Art, nach derRegel des heiligen Benedikt lebend; einzelne wie wir sahen auchschon berührt durch die Reformarbeiten von Cluny und Hirsau .

Aber der Beginn des zwölften Jahrhunderts bezeichnet einenWendepunkt auch für das Mönchtum. Vielfach ist eine Abnahmeund Krisis wahrzunehmen. Die ökonomische Lage ist dadurchverschlechtert, dass der Ertrag aus Grund und Boden sich stei-gert, aber die dem Kloster zukommende Rente sich gleich bleibt.Dazu treten Lässigkeit der Zinsbauern, Uebergriffe der Vögte,Gewalttaten von andern Grossen der Erde.

Wichtiger waren die Veränderungen im Innern. Vor allem,dass auch jetzt wieder vielfach ein Zwiespalt bestand zwischender Regel und dem wirklichen Leben. Dann aber, dass der Weltüberhaupt der alte einfache Askesebegriff nicht mehr genügte,dass sie nach neuen Gestaltungen des Klostergedankens strebte.

Eine Lösung dieser Bedenken war freilich noch nicht sobald gefunden. In erster Linie musste es sich noch immer darumhandeln, dem gegebenen mönchischen Ideal möglichst nahe zukommen.