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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Dieser Tendenz dienten in den südlichen, an Burgund gren-zenden Gegenden des Elsasses eine Reihe von Klostergründungen,in denen die spezielle Cluniacenser Reform ihre Kraft erwies:St. Morand bei Altkirch und Kaltenbrunnen 1105, Thierenbach1135, Feldbach 1145, St. Valentin bei Rufach 1183.

Aber während diese Schöpfungen Clunys im Eisass ent-standen, war schon eine neue Richtung lebendig geworden, jaein neuer Mönchsorden auf den Plan getreten: der Orden vonCiteaux , der Zisterzienserorden, gegründet im Jahre 1098 indemselben Burgund , das Cluny hervorgebracht hatte. Er hieltan den alten asketischen Forderungen fest; aber er fügte eineOrganisation hinzu, die durch straffen Zusammenschluss zu einerKorporation das einzelne Kloster stützte und in der normalenWeiterentwicklung sicherte. Das Eigenartige sodann war, dassCiteaux seinen Mönchen jede Teilnahme an der Seelsorgetätig-keit, jedes Predigen und Beichtehören verbot. Auch die wissen-schaftliche Arbeit trat zurück. Dagegen widmete sich der Ordenden ökonomischen Arbeiten, er rodete, er trieb Waldnutzungund Landwirtschaft. Sein Leben sollte sein ein Leben in der Ein-öde, an Orten des Schauers und der Einsamkeit, wie der offi-zielle Ausdruck war; ein Leben in Ackerbau und Gebet, mit äus-serst strenger Disziplin.

Es war eine Tätigkeit, die sowohl der Kirche wirtschaftlichhelfen, als die Kultur eines Landes mächtig fördern konnte.Darum haftet am Auftreten der Zisterzienser überall etwas vondem Entdecker- und Bahnbrecherwesen der ersten Zeiten desMönchtums. Es ist wieder das Aufhellen der Wildnis, das Er-wecken der fruchtbaren Erde.

Für das Eisass ist die Erinnerung an solche Vorgänge fest-gehalten in den Gestalten der damals entstandenen Abteien Lützel1123, Neuburg 1133, Päris 1138, Baumgarten 1148, Königs­ brück vor 1152. Lützel, neben Altenkamp im Kölner Rheinlandedas älteste Zisterzienserkloster Deutschlands , wurde am äusser-sten Südende des Elsasses, fern von allen Städten, in vollkom-mener Bergwildnis gegründet durch Bischof Berthold von Baselund seine Neffen, die Grafen von Montfaucon. Ein Kloster, dasrasch zu grösster Macht und ausgedehntem Reichtum anstieg.Es schuf eine ganze Reihe von Tochterklöstern: Salem, Frienis-

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