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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Dies sind die Elemente elsässischen Lebens im zwölftenJahrhundert. Wir haben nunmehr die Gesamterscheinung diesesLebens, unter der Herrschaft der Staufer, kennen zu lernen.

Von der Erledigung des schwäbischen Herzogtums durchdie Rebellion Rudolfs von Rheinfelden im Jahre 1077 ist schondie Rede gewesen. Kaiser Heinrich verlieh das Amt im Jahre1079 dem Friedrich von Staufen und vermählte diesem auchseine Tochter Agnes. Von da an, zwei Jahrhunderte hindurch,bis zum Tode Konradins in Neapel im Jahre 1268, blieb dasHerzogtum in den Händen der Hohenstaufen.

Wir wissen zur Genüge, dass das Eisass seit dem zehntenJahrhundert Teil dieses Herzogtums war. Aber auch, wie fernees ihm immer gestanden.

Eine Sonderung blieb auch jetzt noch. Die neuen Herzogeheissen dux Alsatiorum et Suevorum oder dux Suevorum etAlsatiae oder auch nur Elisaziae dux. Es ist eine Aeusserlichkeitdes Urkundenstils, aber erwachsen aus dem Rewusstsein einerSonderstellung des Elsasses gegenüber dem Stammlande desHerzogs.

Und doch zeigen uns die Tatsachen, wie sehr das Verhältnisjetzt ein anderes war als früher.

Die neuen schwäbischen Herzoge, die Staufer, kamen nichtals fremde Herren ins Eisass.

Die Mutter des ersten Herzogs Friedrich, Hildegard, warhöchst wahrscheinlich Tochter des im Jahre 1038 gestorbenenGrafen Gerhard von Egisheim. Sie gehörte somit einem der älte-sten und mächtigsten Häuser des Elsasses an, und zwar demzum Kaiser haltenden Zweige dieses Hauses. Namentlich aber:sie brachte ihrem schwäbischen Ehemanne den grossen Güter-besitz bei Schlettstadt , den vor einem Jahrhundert König Konradvon Rurgund innegehabt hatte: von diesem König ist er durchwiederholte Tochtererbfolgen an die staufische Ahnfrau gelangt.

Aber die Staufer besassen noch, andre Güter im Eisass.Wieder haben wir uns jener mächtigen Waldregion des HeiligenForstes im Nordgau zuzuwenden. Zur Zeit, da die Staufer Her-zoge wurden, bedeckte dieser Wald ein Areal von gegen 25,000Hektaren nach heutigem Mass; er sperrte fast die ganze Ebeneab und liess nur in der Nähe des Rheins und in den Vorbergen

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