In solcher Weise erlebt das Eisass das Werden der zahl-reichen Städte und Städtlein, die dann das Land in so charak-teristischer Weise füllen.
Wie in den beiden alten civitates Basel und Strassburg dieMacht städtischer Entwickelung am stärksten wirkt, wie dieVolksbewegung zur Stadt hin hier nie ruht, zeigen anschaulichdie wiederholten Erweiterungen in diesem Jahrhundert, beidenen immer wieder ein Stück «Neustadt» durch Vorschiebendes Mauerringes der Stadt inkorporiert wird. Auch Orte wieColmar und Schlettstadt bestehen wohl schon jetzt als geförder-tere Gemeinwesen. Sie sind auf dem Wege zur Stadt, wenn auchnoch nicht fertige Städte. Auch der merkwürdige Vorfall inRufach im Jahr 1106, da König Heinrich V. von den über dasBenehmen seiner Ritter und Diener empörten Rufachern ausdem Orte gejagt wird, zeigt das Vorhandensein eines entwickel-ten Gemeindegefühls und einer entsprechenden Organisation.Andre Gemeinwesen, die schon jetzt hier Erwähnung verdienen,sind Rosheim , Münster , Mülhausen , Selz. Eine einzelne deutlicherkennbare Stadtgründung dieser Zeit, diejenige von Hagenau ,werden wir in anderm Zusammenhänge zu betrachten haben.
Bei allen diesen Gemeinwesen ist es ein gleichsam natur-gemässes, selbstverständliches, aber verborgenes Heranwachsen.Die ungewöhnliche Gunst des Landes, die Verbindung seinerVerkehrslage mit seiner eigenen reichen Fruchtbarkeit war sol-chen Bildungen natürlich günstig.
Dabei sehen wir auch den Gegensatz dieser städtischen Ge-bilde und der herrschenden Klassen sich immer deutlicheroffenbaren.
Zunächst in den Konflikten zwischen solchen Herren undihren in die Stadt ziehenden, der Gewalt des Herrn ent-weichenden Eigenleuten. Sodann im Streben der Städte, eigeneFormen der Selbstverwaltung zu bilden und vom Regiment desStadtherrn sich zu befreien. In den hierüber entbrennendenKämpfen um Dasein und Recht werden die Städte während derfolgenden Periode zu völliger Ausbildung ihres Wesens ge-langen.
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