von seinem Königsberg aus mit Staunen und Sehnsucht nachdiesem «oberdeutschen Kanaan», nach dieser «in Licht undLeben strahlenden Fruchtebene», dieser «reichsten Fruchtebenedes mittleren Europa » hinschaut, so mussten diese Reize beimdamaligen Zustande Deutschlands noch viel stärker empfundenwerden. Es war die best angebaute Landschaft des Reiches.Wieder ist es Otto von Freising , der sich vernehmen lässt: «DieseLandschaft, welche der weltberühmte Rhein durchschneidet,einer der drei bedeutendsten Flüsse Europas , ist bedeckt mitKorn und Wein und reich an Jagdforsten und Fischereien; sievermag die Könige, wenn sie sich im Norden der Alpen auf-halten, am längsten zu verpflegen».
Es war ein Gebiet, in dem «sich mit der materiellen Kraftdes ergiebigen Bodens, dem Hauptgute jener naturalwirtschaft-lichen Zeiten, die hohe politische Bedeutung verband».
Ueber dieses Land ergeht nun die staufische Verwaltung ineiner nicht lässigen, sondern straffen, streng militärischen Or-ganisation. Der Grund zu dieser ist gelegt worden durch denVater des Kaisers, Herzog Friedrich, mit planmässigem Bau vonBurgen und mit Annahme zahlreicher Ritter in seinen Dienst,damit sie als Burgbesatzungen, Hofbeamte und Domänen-verwalter die staufische Hausmacht stärken und zugleich demKönigtum festen Halt im Lande geben.
Von dieser ganzen Burg- und Ministerialitätsverfassung imEisass haben wir freilich nur eine allgemeine Vorstellung. Alseinzelne Staufenburgen erscheinen später die Kastelle Wickers-heim an der Jll, Kronenburg, Winstein, Blicksburg u. a. m. Auchdas im Jahre 1147 erwähnte castrum Estufin, die Burg Staufen,ist wohl eine der durch Herzog Friedrich gebauten Burgen;später, im Jahre 1192, als inzwischen die Herren dieses Hauseszu den höchsten weltlichen Ehren gelangt waren, hiess die BurgKönigsberg; es ist die heutige Hohkönigsburg. Im Uebrigen ist,wie gesagt, nur eine allgemeine Vorstellung dieses Wesens möglich.
Von besonderm Interesse aber ist, dass es sich bei diesenZuständen im Eisass keineswegs nur um ein eingeborenes Ritter-tum handelt. Vielmehr sehen wir den Adel der staufischen Heimat,Schwabens , in Mengen dieses Land verlassen und zum Herzogan den Oberrhein ziehen. Diese Vereinigung mannigfaltiger, aus
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