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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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au. Die oppidani erheben sich gegen die nobiles, die Handwerkerwider die Geschlechter.

In Strassburg gibt eine blutige Strassenschlacht zwischen denAdelsfaktionen im Jahre 1332 der zünftischen Bürgerschaft dieMöglichkeit, «die Herrschaft an sich zu reissen und eine durch-aus demokratische Verfassung aufzurichten». Trotz heftigenKämpfen bleibt die Leitung der Stadt in den Händen der Zünfte;im Jahre 1433 kommt es zu einem ersten Abschluss in der Ent-wicklung; Einzelnes wird noch geändert; zuletzt gibt derSchwörbrief von 1482 dem städtischen Wesen Strassburgs dieVerfassung, die schon früh als ein Kunstwerk gepriesen wordenist und sich bis zur grossen Revolution behauptet.

Der Strassburger Chronist Königshofen erkennt als Aeusse-rung bürgerlichen Wesens zunächst solche Verfassungsange-legenheiten. Sodann die Fehden und Kriege, von denen wirschon geredet haben. Endlich die baulichen Unternehmungen,der «Stadt Bau»; in diesem so gut wie in der Territorialbildungkann die Bürgerschaft ihren republikanischen Stolz, ihre Kraftund ihre Absichten äusserlich sichtbar und dauernd dokumen-tieren. In solcher Gesinnung baut sich die Stadt Strassburg imJahre 1321 ein Rathaus, im Jahre 1358 ein Kaufhaus, danebenin wiederholten Anstrengungen immer weiter und gewaltigerausgreifend die Enceinte der Stadtmauer ; endlich das Münster .

Wir wissen, dass in den 1280er Jahren die Leitung desMünsterbaus vom Domkapitel an die Stadt übergegangen ist.Unter dieser städtischen Leitung erhält nun das Münster seineberühmte Fassade; im Jahre 1365 sind die dritten Stockwerkeder Türme vollendet. Der sodann vom Rat berufene Ulrich En-singer aus Ulm versteht es, «den Unternehmungsgeist der Bürgerzum Grossen aufzuregen; auf den Ausbau des zweiten Turmeswird verzichtet, dafür soll der erste zu unerhörter Höhe hinauf-geführt werden». Nicht nur «eine grenzenlose Lust an hohenAussichtspunkten» ist für damals vorauszusetzen; der «riesen-hafte, alles ringsum überragende Wuchs des Turmes» ist für dasganze Stadtbild, von aussen gesehen, berechnet. Johann Hültzvon Köln führt diesen Bau zu Ende; im Jahre 1439 wird dieArbeit abgeschlossen. «Die Strassburger hatten ihren Willen er-reicht; sie besassen den höchsten und bis zur Spitze bequem er-

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