steigbaren Turm». Mirabile opus caput inter nubila condit,schreibt staunend Enea Silvio in seiner ruhmvollen Schilderungder Stadt Strassburg ; er vergleicht sie ihrer vielen Kanäle wegenmit Venedig ; manche der Häuser daselbst seien so schön, dasskein König sich schämen würde, sie zu bewohnen. Es ist dasäussere Bild der vollendeten Stadt, das Enea entwirft. In Kurzemwird sie auch ihre Verfassungszustände endgiltig geordnethaben, in jener Form, der dann Erasmus enthusiastisches Lobspendet.
Aber hiebei können wir nicht stehen bleiben.
Auf besondere Weise verkündet sich gerade im Bereiche desBürgertums, ja des Volkes überhaupt, der Geist, dem die Zu-kunft gehören wird.
Die Schicht Derjenigen, die dem geschriebenen Worte zu-gänglich sind, ist jetzt viel breiter als in früherer Zeit. Auch derBürger gehört jetzt zu den Lesenden. Das ist die Wirkung derstädtischen Schule. Und hiezu kommt die allgemeine Anregungder Zeit, die geistige Emanzipation. So geschieht es, dass nebendie lesenden Bürger, neben die «klugen Laien», von denen Kö-nigshofen redet, nun auch schreibende, schriftstellernde Bürgertreten.
Einen Vorläufer dieser Menschen hat uns schon das drei-zehnte Jahrhundert in dem Strassburger Ellenhard gezeigt, samtdessen entschiedenem Eifer für das Strassburger Stadtgeschicht-liche. Jetzt, um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, ist eswieder ein Bürger von der Art Ellenhards, der zu lokalhistori-scher Arbeit an treibt: der Stettmeister Johann Twinger inStrassburg .
Von diesem beauftragt, übersetzt Friedrich Closener dasalte Haupt- und Glanzstück der Strassburger Historiographie:den Rapport über das Bellum Waltherianum. Was er dannseinerseits dazu gibt, sind Auszüge aus der Papst- und Kaiser-chronik des Martin von Troppau , namentlich aber eigene Auf-zeichnungen über strassburgische Ereignisse seiner Zeit. DieVereinigung aller dieser Stücke in einem Werke geschieht dannim Jahre 1362. Allerdings ist Closener ein Kleriker. Aber als einvom Rate Bepfründeter hat er enge Beziehungen zur Stadt; erscheint auch geborenes Stadtkind zu sein. Und vor Allem: das
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