Geistliche an ihm tritt völlig zurück hinter dem Profanen seinerGesinnung. Dem entspricht die Anlage seines Werkes; dessen; Wesentliches ist durchweg das Lokale und Nationale, das Volks-tümliche, das Weltliche. Closener ist ein Anhänger Kaiser Lud-wigs des Bayern und bekennt sich offen zur Theorie des Mar-| silius von Padua , daz ein hobest under eime kaiser solj sin und daz er kein weltlich herschaft sol han. Dass Clo-seners Buch eine der ältesten in deutscher Sprache geschrie-benen Chroniken überhaupt ist, gehört zu den bemerkenswertenFakten der Literaturgeschichte; aber es ist auch von allgemeinerhistorischer Bedeutung, sowohl hinsichtlich der Person desAutors und der Art seiner Anschauung, als im Gedanken an dasbreite bürgerliche Publikum, dem ein solches Werk das Wesenund den Ruhm der Vaterstadt nicht im traditionellen Lateinschildern kann, sondern nur in der lebenden Sprache des Tages.
Das entschiedene Widerspiel zu dieser Chronik Closenersist das gleichzeitige und ebenfalls, zum Teil, Strassburg angehö-rende merkwürdige Geschichtswerk, das unter dem Namen des| Mathias von Neuenburg zusammengefasst ist. Eine Reichs-| geschichte des Jahrhunderts von Rudolf von Habsburg biszu Karl IV. , mit vielen lokalen Nachrichten. Der Autor istvon den verschiedensten Seiten her über alles Interessante in-i formiert; nicht die Stadt, sondern Reich, Kirche und Welt gebenj j ihm den Maßstab und die Grenzen; aber innerhalb dieses Be-I reiches beglückt er uns durch einen Reichtum von Einzelzügen,durch Lebendigkeit der Anschauung und Darstellung, oft durchpsychologische Feinheit. Ueberall der hohe Herr, der Curiale,
| völlig verschieden von dem kleinen bürgerlichen PräbendarClosener.
Aber dieser Closener hat seinen Nachfolger in Jakob Twinger von Königshofen . Auch er ist Geistlicher, aber dabei guter Strass-burger, kaiserlich gesinnt, der Kirche gegenüber frei urteilend,i Dabei voll starken deutschen Nationalgefühls. Er interessiert: sich für die Frage nach der Entstehung der deutschen Sprache,! für die deutsche Nationaltät Karls des Grossen. In solchen Gesin-i nungen schreibt er seine Bücher, angetrieben und gefördert wiees scheint durch die städtische Verwaltung selbst, die auch aufdiese Weise für den Ruhm Strassburgs sorgt. Zunächst ist es eine