denen Poeten-Philologen gegenüber sind diese Elsässer eineruhige und ordentliche Gelehrtengesellschaft. Sie schauen be-wundernd und sehnsüchtig unaufhörlich nach Italien ; sie lernenvon dort. Aber ihr Ziel ist dennoch nicht eine «weltlich-ästhe-tische Kultur»; ihr Humanismus erscheint praktisch auf dieSchule gerichtet, ist national und kirchlich orientiert. Was siehiebei zu Humanisten macht, ist immer noch ansehnlich genug:das frischere Studium der antiken Schriftsteller, auch der grie-chischen; die Kultur der Sprache und des Stiles; die Reformie-rung des gelehrten Unterrichtes; die bestimmte Richtung histo-rischer Arbeiten; der Sinn für die Redeutung der originalenQuelle; die Kritik. Alles dies natürlich mit den Vorbehalten man-nigfaltigster individueller Verschiedenheit und zeitlicher Ent-wicklung im Einzelnen. Es ist ein grosser Abstand von SebastianRrant zu Beatus Rhenanus . So beredt und so laut Wimpfelingauch ist, er kann uns nicht als völliger Repräsentant dieses el-sässischen Humanismus überhaupt erscheinen; er vertritt sichund seinen Kreis; aber nebenan stehen Andere, die gleichfalls dasRecht haben beachtet zu werden.
Mächtiges haben diese Humanisten freilich nicht vorzu-weisen. Aber die Gesamterscheinung ist eigenartig, und ihr Gei-stiges erweist sich als eine unsterbliche Kraft, die, nach kurzerRuhe, in neuen Umgebungen und Formen wieder aufleben wird.
Die Anfänge des elsässischen Humanismus sind uns unbe-kannt. Sie ruhen jedenfalls verhüllt in tiefen persönlichen Er-lebnissen. Aber immer wird dafür an die Lateinschule im klei-nen Schlettstadt zu erinnern sein. Diese Schule ist seit demBeginne des fünfzehnten Jahrhunderts nachweisbar vorhanden,seit dem Jahre 1441 als ihr Lehrer der Westfale Ludwig Drin genberg tätig.
Der Name Dringenberg führt uns in den Kreis der Brüdervom gemeinsamen Leben, der Fraterherren, in den Niederlanden ,und erinnert an die von diesen ausgehende Schulreform. Er er-innert auch an die Andern, die neben Dringenberg in der Brüder-schule zu Zwolle ihre erste Bildung erhalten haben — Rudolf Agricola , Alexander Hegius , Rudolf von Langen — und dann dieVäter des Humanismus in Deutschland geworden sind. NachDringenbergs vieljähriger Leitung wurde nun diese Schlettstädter
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