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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Schule die erste Schule des Elsasses, die den Humanismus vor-bereitete; auf Dringenberg folgten als Schulvorsteher: Kraft Hof-mann 14771501, Hieronymus Gebwiler 15011509, OswaldBär 1509-1510, Johann Sapidus 15101525.

Der Gedanke an die Zustände, unter denen der Humanismusim Eisass heimisch wurde, an das Zusammenwirken von Ge-danken und Kräften, gibt das lebendigste Bild. «Vom Nordenkommt der Schulbetrieb und die devotio moderna der Brüdervom gemeinsamen Leben.» Italien , Basel und Paris weisen dieWege zu neuen Quellen des geistigen Genusses.

Auf den Schlettstädter Schulbänken haben die meisten El-sässer Humanisten ihre ersten Kenntnisse erhalten und den er-sten Antrieb zu ihren spätem Leistungen: Jacob Wimpfeling ,Peter Schott, Sebastian Murr, Johann Gallus, Beatus Rhenanus usw. Mehrere dieser Männer waren zugleich geborene Schlett-städter, gleich vielen andern Gelehrten wie Hugonis, Spiegel,Bucer, Phrygio, Arnoaldus, Schürer u. A. m. Ein Zusammenhangder beiden Tatsachen, der Existenz der Schule und des Entstehensso vieler Talente auf dem engen Schlettstädter Boden, ist nichtabzulehnen. Eine Einzelheit wie die Anfertigung der Bilderhand-schrift eines Traktats von Otto von Passau durch den Schlett-städter Schuhmacher Jacob Leistenmacher im Jahre 1430 zeigt,welche Interessen und Fähigkeiten in diesem Handwerker- undAckerbaustädtchen zu Hause sein konnten.

Später wird auch Strassburg ein Sitz von Humanisten; zeit-weise kommen Hagenau und Colmar in Betracht; Schlettstadt bewahrt seinen Rang.

Wir beachten, dass es sich nur um Reichsstädte handelt.Keine der Landstädte ist beteiligt. Und von der ganzen Scharder Landklöster einzig das alte Murbach, wo auch schon ein-mal, in der Karolingerzeit, die Studien geblüht hatten. Jetztfinden sie hier aufs neue eine Statt, zur Zeit des mächtigen undkunstsinnigen Abtes Bartholomäus von Andlau (14471476);da ist Mönch jener Sigismund Meisterlin , der schon vorher imJahre 1456 in Augsburg eine Chronik dieser Stadt geschriebenhat und einige Jahrzehnte später eine Chronik der Stadt Nürn­ berg schreiben wird; beide Werke sind bedeutsame Schöpfungeneiner neuen humanistischen Geschichtschreibung in Deutschland .

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