Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Hagenau zeigt nahe beisammen die entschiedensten Gegen-sätze. Die Buchdruckerei des Heinrich Gran war eine der gröss-ten jener Zeit; auch hatte sie ihr bestimmtes Gebiet, nämlich theo-logische Werke und hauptsächlich lateinische Predigtsammlun-gen. Auch druckte Gran Werke über Grammatik, Logik undkanonisches Recht, aber keinen einzigen Klassiker. Und aus die-ser ernsten, altvaterischen Presse ist dann doch, wohl ohne GransWissen und durch die Hand seines Korrektors Wolfgang Angst ,der erste Druck der Epistolae obscurorum virorum hervorgegan-gen. Zur gleichen Zeit aber fand der neue, der humanistischeI Geist auch in «dieser dürren Sandwüste» Hagenau eine Stätte,durch Thomas Anshelm , der erst in Pforzheim , dann in Tübin­ gen Bücher gedruckt hatte und nun um die Mitte der 1510erJahre seine Offizin nach Hagenau verlegte. Sie war das völligeGegenstück der Granischen; Anshelm nannte sie Charisium, eineWerkstätte der Grazien; ihre Korrektoren und Mitarbeiter ver-! einigte er in einer Akademie; was er druckte, waren namentlich| klassische Autoren, humanistische und reformatorische Bücher,j Briefe Reuchlins und seiner Freunde usw.

j Und nun Strassburg ! «Während in Mainz die Schöffersche

| Offizin bis zum Ausgange des Jahrhunderts fast konkurrenzlos! fortbesteht und im bequemen Schritt alljährlich eine paar neuej Folianten veröffentlicht, ringt in Strassburg gleich im Anfangdie rastlose Energie zweier grosser Buchdrucker, Mentelins| und Eggesteins, um den Preis. Wie im Sturmlauf werfen ihrePressen einen Bücherkoloss nach dem andern auf den Markt.

| Kaum ist ein Riesenwerk vollendet, so wächst ein neues heran».Aus Mentelins Offizin geht die erste gedruckte deutsche Bibelüberhaupt hervor, spätestens im Jahre 1466; das durch Egge-! stein im Jahre 1471 veröffentlichte Decretum Gratiani , ein Rie-i senfoliant, ist der erste datierte Strassburger Druck. In AdolfI Rusch lernen wir den höchst beweglichen, vielseitigen Geschäfts-i mann kennen, mit einem auf grossartige Weise geführten Be-i triebe. Er ist Buchdrucker, Verleger, Papierhändler, vielleichtauch Handschriftenhändler. Spezialität des Johann Prüss ist derDruck von liturgischen Werken, von Missalen, Psaltern, Marty-rologien usw. In Mathias Schürer nimmt sich der vollkommeneGelehrte der Kunst des Buchdruckes an und macht sie zur Die-