Hoheit und Idealität der Gesinnung, die unvergleichliche Sach-kenntnis und Gewandtheit in Staatsgeschäften, dabei die volleVertrautheit mit dem geistigen Leben der Zeit und die Doppel-stellung als Diplomat einerseits, als oberste Autorität für Cultusund Unterricht anderseits, woraus sich für uns sein Bild zu-sammensetzt».
Von Kräften dieser Art bewegt reisst in der elsässischen Re-formationsgeschichte die Gestalt Strassburgs alles Interesse ansich. Aber zur einzigen Grösse der Periode gehört, dass solcheKräfte sich auch in der damaligen Schule Strassburgs äussern.
Ueberall zeigt sich uns die Reformation als Fiihrerin zueiner neuen Schule. Sie gründet im Jahre 1527 in Marburg eineUniversität. Im Eisass gibt sie der Stadt Landau eine Latein-schule; eine ebensolche lässt sie in Reichenweier im Jahre 1536entstehen, die meist durch Tübinger geleitet wird; in Rappolts weiler kommt es im Jahre 1563 zur Gründung einer protestanti-schen Schule; in Buchsweiler ist das Gymnasium erst im Jahre1612 entstanden.
In Strassburg trieb die Reformation sofort in ihren erstenJahren zu einer Neuordnung des Schulwesens. Auch hier wiederkam die schöpferische Kraft von Jacob Sturm her; durch ihn,den Schüler Wimpfelings, wurden jetzt Begeisterungen undIdeen jenes frühem Humanismus zur Ausführung gebracht.Schon im Jahre 1530 konnte festgestellt werden, dass zwei durchdie Stadt geschaffene Lateinschulen bestünden und ausserdemfür Aeltere regelmässig Vorlesungen über Hebräisch und Grie-chisch, über theologische Fächer, Rhetorik und Mathematik ge-halten würden. Capito, Bucer, Caspar Hedio waren Lehrer; Otto Brunfels , der bewährte Schlettstädter Schulrektor Johann Sapi-dus, Jacob Bedrot wurden berufen. Im Jahre 1531 beschloss derRat die Errichtung einer Bibliothek, zunächst für den Gebrauchder Lehrer und der Geistlichen. Die Stadt Strassburg , über derenMusenfeindschaft einst die Humanisten geklagt, wurde zu einemOrte der blühenden Studien.
Auf diesem Grunde baute nun Jacob Sturm weiter. Erhatte grosse Absichten. Er plante, Strassburg zum «geistigenZentrum der protestantischen Welt» zu machen, hier aus denbesten Gelehrten aller Nationen eine grosse Akademie zu er-
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