Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
JPEG-Download
 

richten. Zur Durchführung dieses Planes berief er den Johannes Sturm . Dieser, zu Schleiden in der Eifel geboren, kam im Jahre1536 nach Strassburg . In der vollen Blüte der Kraft.

Die hohe Bedeutung dieses Momentes liegt darin, dass diedurch Strassburg so lange abgelehnte Herrschaft des Humanis-mus jetzt, nachdem ihr schon Jacob Sturms Schulreformen dieBahn gebrochen, zur stärksten Tatsache wurde.

Johannes Sturm vertrat den Anspruch des Humanismusauf unbedingte Geltung im öffentlichen Wesen. Und zwar solltees der Humanisums einer sapiens et eloquens pietas sein, «dasverchristlichte ciceronianische Ideal des orator, des Mannes, derin Staat, Kirche und Schule seine universale Bildung in denDienst der Allgemeinheit stellt und zu solchem öffentlichenWirken vor allem dadurch befähigt ist, dass ihm in der Eloquenzdie dem Inhalt entsprechende Ausdrucksmöglichkeit zu Gebotesteht». Sturms ganze Wirksamkeit in Strassburg , vor allem seineArbeit an der Schule, stand im Dienste dieses Ideals. Seine per-sönliche Art, sein Optimismus, sein glänzendes und weltmännischgewandtes Wesen, seine Neigung zum Kompromiss, seine voll-endete Latinität, sein eminentes Organisationstalent, alles diesführte ihn zu ungewöhnlichen Erfolgen, denen dann freilich eintiefer Sturz folgte.

Im Jahre 1538 wurde unter seiner Leitung das Gymnasiumeröffnet. Mit einem Reichtum an Professoren, der z. B. in dermehrfachen Besetzung des Hebräischen und des Griechischendiese Strassburger Anstalt sofort in die erste Reihe brachte. Unterdem Namen eines Gymnasiums war sie schon jetzt im Grund eineUniversität. Alle Nationen waren unter ihren Schülern vertreten;im ungünstigen Jahre 1542 zählte sie deren 500, im Jahre 1578mehrere Tausend. Und wie diese Schüler ganz Europa darstellten,so auch die wohlausgewählten Lehrer. Unter diesen sind hier zunennen in der theologischen Fakultät Johann Calvin , Petrus Martyr Vermigli, Paul Fagius , in der juristischen Baudouin undHotman, in der medizinischen Winter von Andernach , in derphilosophischen Peter Dasypodius , Nicolaus Gerbel u. A. Undauch daran muss erinnert werden, dass Jacob Sturm und Bucer schon im Jahre 1531 den Versuch gemacht haben, auch dengrossen Historiker Aventin nach Strassburg zu ziehen, damit er

229