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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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cedieren, oder in den Aemtern Kleeburg und Bischweiler diePfalzgrafen von der Linie Zweibrücken .

Mittelpunkte dieses öffentlichen Lebens sind die paar Re-sidenzstädtchen. Vor allem das bischöfliche Zabern . Dann Rap-poltsweiler. Dann das hanau-lichtenbergische Buchsweiler. Mitdiesen zusammen verkörpern das imposante Renaissanceschlosszu Wörth, die Landvogteiburg zu Hagenau sowie der Palast derEnsisheimer Regierung, in dem das gesamte öffentliche Wesender Vorlande seine Sammelstätte hat und das Stelldichein desAdels ist, einen mächtigen und glänzenden Teil des politischenDaseins. Der andere Teil, auf seine Weise mächtig, stellt sichihm in den Städten Strassburg , Colmar , Schlettstadt usw. zurSeite. Neue Familien sind auch die Sickingen, welche die Herr-schaft Hohenburg, und die Fugger, welche die Herrschaften Isen-heim, Altkirch , Pfirt übernehmen.

Daneben wollen einzelne Gestalten dieser Gesellschaft be-achtet sein: Der von der grossen Flut der Zeit hier in die an-genehme Stille des Provinzlebens getragene Freiherr Lazarus von Schwendi . Vordem als Feldherr und Diplomat in den DienstenKarls V., Philipps und Ferdinands vielbeschäftigt, in den Nieder-landen und in Ungarn tätig, lebt er jetzt auf seinen Gütern amOberrhein aus. Er erwirbt die grosse Herrschaft Hohlandsburg,er ist Pfandherr der Kaisersberger Landvogtei. Durch Bau vonSpitälern, Erlass zahlreicher Ordnungen für seine Städte undDörfer, landwirtschaftliche Verbesserungen erweist er sich alseinen hochgesinnten weitblickenden Herrn; ihm verdankt derElsässer Weinbau die Einführung der Tokayerrebe. Nebenhergeht seine kriegswissenschaftliche und die vor allem bemerkens-werte kirchenpolitische Schriftstellerei. Im Jahre 1584 stirbt erund erhält sein Grab in Kienzheim .

Sodann der Oberst Claus von Hatstat, der in allen Heerengekämpft hat, bei allen Höfen und Kriegskanzleien Europas be-kannt ist; auch der Stadt Strassburg hat er wiederholt, in denJahren 1552 und 1569, als Feldhauptmann gedient. Einst imdreizehnten Jahrhundert hatte der königliche Landvogt KonradWerner von Hatstat dieses Adelsgeschlecht des Sundgaus glän-zend vertreten; jetzt nimmt es mit dem vielumgetriebenen Con-

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