Politik. Als französischer Agent wohnte Sleidan im Jahre 1540dem Religionsgespräche zu Hagenau bei; hier wohl knüpftensich die Beziehungen, die seine Rückkehr nach Deutschland veranlassten. Seit dem Jahre 1542 lebte er in Strassburg , nebenseinem Landsmanne Johann Sturm, der ihn einst in Frankreich in die Dienste des Kardinals Du Bellay geführt hatte; er besorgtediplomatische Geschäfte Strassburgs ; namentlich aber schrieb erhier, in einem hochbewegten Zentrum des politischen Lebens, dieGeschichte der deutschen Reformation, die Commentarii de statureligionis et rei publicae Carolo V. caesare, zu deren Ausarbeitunger vom schmalkaldischen Bunde offiziell bestellt war. Er schriebsie, alles Persönliche und Leidenschaftliche zurückdrängend,ruhig und sachlich, in grosser Auffassung. Es war einer der erstenVersuche, die Geschichte eines geistigen Vorganges zu schreiben;wohl auch die erste Geschichte, die nur auf dem Grunde urkund-licher Belege ruhen will. Freilich alle Akten waren Sleidan nichtzugänglich. Sein Buch entstand als das Werk eines schmalkal-dischen Publizisten; so sehr er kein Parteischriftsteller zu seinsich bestrebte, wirkten doch der ihm erteilte Auftrag und diekonfessionelle Tendenz.
Dies Alles haftet an dem einzigen Strassburg . Die Stadt er-lebt in den drei Jahrzehnten nach Einführung der Reformationeine gewaltige Zeit. Vielleicht innerhalb ihres ganzen Daseinsdie grösste Zeit.
Aber von dieser fesselnden Erscheinung wenden wir dasAuge dem damaligen Eisass überhaupt zu.
Das Land bietet auf den ersten Blick das Bild eines ausge-breiteten Behagens. Es ist wie unberührt von jenen grossen Be-wegungen, ist vor keine grossen Entschlüsse gestellt. Fast Allesträgt, unter Fernbleiben des Sublimen, den Charakter einerdurchschnittlichen mittleren Höhe.
Die uns bekannten Formen der öffentlichen Rechte und Be-herrschungen dauern weiter. Alle sind gereift, befestigt. Und alswichtige Neuerung kann nur gelten, wenn in der Reihe der Mäch-tigen des Landes alte Geschlechter ausscheiden, neue eintreten.Solchen Wechsel bringen z; B. die Grafen von Zweibriicken-Bitsch, die in der Herrschaft Niederbronn den Ochsenstein suc-
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