Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
JPEG-Download
 

Nicht viel Besseres leisten die andern elsässischen «Histo-riker» der Zeit: Maternus Berler, Daniel Specklin u. A. Sieschreiben nach dem Muster des alten Königshofen und setzenihn fort; sie häufen Notizen, die für uns von Wert sein können.Vom Geiste Rhenans, vom Geiste Sleidans sind sie nicht berührt.

Aber diese Historiographie hat wenigstens einen Ton vonGemütlichkeit, der in die Zeit passt. In die Zeit, die uns ihr Be-hagen und ihre wohlige Kraft, ihr breites Sichgeben und Ergehenüberall zu spüren gibt. Durch ihre Feste, bis zur grössten undberühmtesten dieser Veranstaltungen, dem Strassburger Frei-schiessen von 1576 mit der Hirsebreifahrt der Zürcher; durchihre Schwankbücher; durch den Schimmer und die Köstlichkeitund den frohen Lärm alles Lebens. Es ist freilich eine Lebens-freude und eine Genussfreude, die sich rechtfertigt und zugleichsichert durch die nebenhergehende Tüchtigkeit, durch die Arbeit.

Aus der Masse dessen, was solche Arbeit in Gewerben allerArt zu Stande bringt, ist Einzelnes kaum herauszugreifen. Nurdas Sichtbarste und am ehesten zu Schätzende kann genanntwerden: die in Haus, Gerät und Kleidung sich zeigende Formdes Daseins. Uns nahe gebracht nicht allein durch das viele nochVorhandene selbst, sondern auch durch die zahlreichen damalsim Eisass geschaffenen Bilderwerke, die «Kunstbüchlein» desHeinrich Vogtherr und Anderer, die den Architekten, Gold-schmieden, Steinmetzen, Schreinern, Seidenstickern usw. Vor-bilder bieten; sie bezeugen eine erstaunliche Ausbildung derKünste und Fertigkeiten.

Wir sehen uns nach den einzelnen Meistern um; aber wirfinden keine Grossen, keine Persönlichkeiten erster Ordnung.Doch mag der Strassburger Stadtbaumeister (15901597) Jo­ hannes Schoch genannt werden, der die grosse Metzig, vielleichtauch das Rathaus gebaut hat und ausserdem als Schöpfer desFriedrichsbaus am Heidelberger Schlosse bekannt ist. Sodann derStrassburger Georg Riedinger, der das grosse erzbischöflich main-zische Schloss zu Aschaffenburg gebaut hat. Der dritte Strass-burger, der in dieser Reihe steht, ist Daniel Specklin (gestorbenim Dezember 1589). Für die Fortifikationen Strassburgs hat erzahlreiche Entwürfe geliefert; in Colmar und andern Städtenhat er solche Bauten ausgeführt. Namentlich aber ist sein Ruhm

239