Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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als Theoretiker begründet durch sein Werk «Architectura», dasvon hoher Bedeutung für die Entwicklung der Kriegsbaukunstgeworden ist. Auch ein Modell der Stadt Strassburg und eineKarte des Elsasses hat er angefertigt sowie zahlreiche geschicht-liche Notizen gesammelt.

Am Wesen dieser elsässischen Kunst ist auch jetzt wieder,wie in der vorangehenden Periode, die Verbindung mit den all-gemeinen deutschen Kunstzuständen bemerkenswert. Die Elsäs-ser Baumeister arbeiten auch im Reiche, und aus diesem wieder-um kommen Künstler herüber wie Tobias Stimmer , wie WendelDieterlin, wie Heinrich Schickhardt ; der Letztere führt für denGrafen Georg von Würtemberg einen Umbau des HorburgerSchlosses aus. Vereinzelt inmitten dieser allgemeinen Kunst-übung, als französische Bauten, stehen die Schlösser Birkenwaldbei Zabern und Thannweiler.

Alles dies scheint zu ruhen auf der Grundlage eines reichenstarken Daseins durchs ganze Land. Alles ist Gedeihen und freu-diges lautes Geniessen des Ueberflusses, ist ein Leben voll Klang,Form und Farbe. Das Gesamtbild des Elsasses tritt uns aus Cos-mographicn und Reiseberichten stets aufs neue glänzend ent-gegen. Michel de Montaigne und seine Gascogner erfreuen sicham Anblicke der wohlgepflegten fruchtreichen Rebhänge, an dergrossen Zahl der guten Herbergen, an den schönen Dörfern; inMülhausen bewundern sie das Rathaus, un palais magnifique ettout dore. Nicht Eisass heisst das Land mehr, sondern Edelsass.Es ist das schönste Tal in Germanien , wo an den Bergen der guteWein kocht, daneben der volle Brotkasten ist und lustige Obst-gärten, auch ganze Wälder von Kastanienbäumen, zahlreicheSilbergruben usw. Es ist ein Land der Glückseligkeit, dessen Ein-wohner «in abundantia rerum erzogen sind und weiter nichtsbegehrt haben». Alles fügt sich zur allgemeinen Stimmung vonLässigkeit und Wohlbefinden. «Lieber sein Letztes gibt ein rechterElsässer her, ehe er an einem Feiertage aschenbrödelt», meintSebastian Frank, und Graf Rudolf von Sulz bekennt, nirgendseinen so fröhlichen Ort gefunden zu haben wie Schlettstadt .

So reden Zeitgenossen. Wir urteilen heute aus Distanz undurteilen etwas anders. Wir erkennen hinter dem fröhlichen Ge-deihen viel Unlust, Not und Verderbnis. «Ein lautes Behagen

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