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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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gäbe aller seit dem Jahre 1552 den Katholiken genommenenKirchengüter anordnete. Seine Kommissäre, die mit dem Voll-züge des Edikts beauftragt waren, kamen auch nach Strassburg und verlangten die Restitution des Münsters und der beidenPeterskirchen, die den Katholiken im Jahre 1549 waren über-geben, im Jahre 1560 wieder genommen worden. Der Rat lehntedieses Begehren ab. Zwei Jahre vorher, 1627, hatte er sich demkaiserlichen Mandate gefügt, das nach dem Ablaufen der Ver-längerung des Hagenauer Vertrages den ganzen Kapitelbesitzden katholischen Domherren zuwies.

Während so die kaiserliche Macht sich gewaltig entfaltet,sind die Anlässe zu einer Wiederaufnahme des Krieges keines-wegs beseitigt. Ausserdem aber verkündigt sich das Eingreifenneuer, auswärtiger Kräfte.

Zunächst bemerken wir Schweden , dessen König Gustav Adolf schon bei Zeiten eine Verbindung mit den deutschen prote-stantischen Fürsten sucht. Im Sommer 1620 ist er selbst in Strass­ burg anwesend.

Sodann aber ist nun die Zeit gekommen, da Frankreich sichzur Verwirklichung alter Pläne erhebt.

Seit dem Jahre 1624 stand hier Richelieu an der Spitze derRegierung. Schon früh hatte er dem König die Gewinnung einer«passage» über den Rhein angeraten; deutlich legte er dann imJahre 1629 seinen Plan vor. Der leitende Gedanke war, dass«Frankreich in einer Art von Klientel alle durch Spaniens Ueber-griffe bedrohten Mächte um sich sammle und zur Sicherungseines Einflusses sich den Eingang in ihr Gebiet durch die Be-setzung fester Plätze offen halte». Für Deutschland sollte Strass­ burg dies Einfallstor sein. «II faut savancer jusques ä Strasbourg,sil est possible, pour acquerir une entree dans lAllemagne, cequil fault faire avec beaucoup de temps, grande discrötion etune doulce et couverte conduite». Eben dieses Jahr 1629 brachtedas Ende des französischen Religionskrieges sowie den Friedenmit England, und Frankreich hatte freie Hand für seine deutsche Politik. Nicht allein die Erwerbung der Rheinlinie ist das diesePolitik beherrschende Ziel. Frankreichs Wille geht dahin, Habs­ burg im Reiche selbst zu bekämpfen; damit es im Reichswesen

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