selbst, im Reichsrechte und auf dem Reichsboden Fuss fassenkönne, hiefür erstrebt es die «entree» durch Strassburg .
Die Stadt Strassburg war im Mai 1609 der von protestan-tischen Reichsständen gegründeten Union beigetreten. Zu diesemSchritte getrieben durch die Wirren und Gefahren, die damals,meist im Zusammenhänge mit dem jülichschen Successionskrieg,auch sie umgaben. In dieser Zugehörigkeit zur Union hat danndie Stadt ein Jahrzehnt durchlebt, aber ohne über eine defensiveHaltung hinauszugehen, auf die Leistung der Rundesgelderu. dgl. sich beschränkend. Im Jahre 1620 war innerhalb desBundes selbst von dessen Auflösung die Rede, und auch die StadtStrassburg riet dazu; sie hatte selbst schon Schritte getan, umsich mit dem Kaiser auszusöhnen. Im Jahre 1621 schied sie tat-sächlich aus der Union; die Belohnung, die ihr hiefür vom Kaiserzu Teil wurde, war die Erhebung ihrer Akademie zu einer Uni-versität.
So war Strassburg , als Graf Mansfeld ins Eisass einbrach,wieder wie vor dem Jahre 1609 eine durch keinen Bund ver-pflichtete, sich neutral erklärende Stadt. In dieser Stellung hattesie nun auch die ereignisreichen 1620er Jahre durchzumachen.Sie tat es mit vorsichtig ablehnender Behandlung all der Forde-rungen, Vorschläge und Anerbietungen, die von beiden Seitenher an sie kamen. Mit welcher Entschiedenheit der Rat auchdem Kaiser gegenüber zu handeln vermochte, zeigt seine Haltunggegenüber den Versuchen, das Restitutionsedikt hier zu voll-ziehen; und für seine Stimmung den deutschen Fürsten gegenüberwaren jedenfalls die im Bischofskriege gemachten Übeln Erfah-rungen jetzt noch bestimmend. In jenem Kriege hatte Strassburg allerdings Hilfe bei Frankreich gefunden; aber jetzt erschien auchdiesem Staate gegenüber argwöhnische Vorsicht als geboten.Wiederholte Hilfsanerbietungen des Königs wurden abgelehnt;der Agent, den Richelieu in Strassburg unterhielt, hatte den Ein-druck, dass Jedermann daselbst an solche französische Hilfeals die beste Rettung im Falle der Not denke; aber von ihr zureden gelte als Staatsverbrechen, an welcher Zurückhaltung dieallgemeine Lage und «la bizarrerie des esprits dans leur conseil»schuld sei.
260