es gab keine Ruhe, kein Aufatmen. Rufach wurde im Jahre 1633von den Schweden besetzt, im November desselben Jahres von denKaiserlichen, dann am 15. Juli 1634 von den Schweden wiedererobert, 1635 von den Lothringern und kurz darauf von Rohaneingenommen. Aehnlich erging es Brumat, Ober-Ehnheim, demexponierten Weissenburg usw. usw. Ensisheim , das Jahr um Jahrbald von diesem Heere, bald von jenem eingenommen wordenwar, stand im Jahre 1639 beinahe verödet, hinter den zerstörtenStadtmauern lagen fast alle Häuser in Ruinen.
Die Bevölkerung des Breuschtales sank während des Kriegesauf ein Sechstel des frühem Bestandes, diejenige der Stadt Geb weiler auf die Hälfte; Türkheim hatte zu Beginn des Krieges300 Bürger, nachher noch 80.
Manche Dörfer gingen in Brand und Zerstörung unter, siewurden ausgemordet, oder die Einwohner verliessen sie. Auf überhundert wird die Zahl solcher untergegangener Ortschaften be-rechnet.
Eindrücklich ist beim Blick über alle diese Erlebnisse dasVerhalten des Landes selbst. Kein Zusammenfassen von Willenund Kräften, kein Eingreifen zeigt sich. Durchweg eine — nurdurch einzelne lokale Widerstände wie die Erhebung der ver-zweifelten Sundgauer Bauern im Jahre 1633 unterbrochene —dumpfe Passivität. Jede Herrschaft und Stadt, jedes Dorf sorgtfür sich allein, duldet das eigene Leid und sieht das des Nach-barn.
Eine wirksame Verteidigung ist in der Tat meist unmög-lich. Es fehlt an Truppen, an Waffen, an Organisation; keineMauer hält Stand vor der neuen Artillerie. Einzig an die StadtStrassburg hat sich kein Belagerer gewagt.
Die Heere aber, die der Krieg ins Eisass bringt, sind Söldner-heere, deren Mannschaften auf Raub und Erpressung ange-wiesen sind, um leben zu können, und deren Führer sich vomKriege bereichern w r ollen. Der Grimm über die oft furchtbarenStrapazen, die Gier nach Gut und Genuss, die vom langen Kriegegenährte Wildheit führen dann bei jeder Gelegenheit zu denGreueln, von denen alle Berichte widerklingen, zu Verwüstungund Vernichtung und jeder bestialischen Untat. Da scheinen dieMisshandlung und die Zerstörung Selbstzweck geworden zu sein.