Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Nach Partei und Gesinnung, nach Freund oder Feind wird nichtmehr gefragt. Ueber den eigentlichen Sinn und das Ziel diesesKrieges hinaus ist es nur noch das Zeigen der Uebermacht, dasVernichtenwollen, die Freude am Leidenbereiten.

Neben den Bildern von Callot , neben den Schilderungen vonMoscherosch und Grimmelshausen, sind gerade die nüchternen,fast statistischen Aufzählungen der Kriegserlebnisse jedes Ortesin Merians Topographie von erschütternder Kraft.

«Ferreum nempe saeculum est» schrieb im Jahre 1631 Jo­ hann Valentin Andreae seinem strassburgischen Freunde Gloner.Auch wir gewinnen solchen Eindruck aus den Nachrichten derKriegszeit. Aber diese Nachrichten zeigen uns nur eine Seite derdamaligen Existenz, allerdings eine furchtbar bewegte und dertiefsten Teilnahme würdige. Das Leben dauert fort auch nebenKrieg und Vernichtung; seine Forderungen, sein Wert und seineFreuden vergehen nicht.

Vor allem: wie herrlich leuchtete noch immer und trotzAllem die Natur! Und gerade jetzt, in den ersten Kriegsjahren,bescherte sie dem Eisass den Tabakbau und die Kartoffelkultur.Ein botanischer Garten wurde angelegt in Strassburg , sechszehnJahre vor dem Pariser jardin des plantes, im Jahre 1619, dieersten Gewächshäuser eingerichtet im Jahre 1638.

Mitten in Elend und Gefahr aller Art entstehen auch ganzeCyclen von Glasgemälden wie derjenige der Franziskaner zuSchlettstadt und der berühmtere in der Molsheimer Karthause,der den Krieg aushielt und noch von Goethe bewundert werdenkonnte. Der Murbacher Abt baut sich im Jahre 1637 sein Jagd-schloss Wesserling, und Rappoltsweiler hat Lebensfreude undSicherheit in solcher Fülle, dass seine Fürsten die ganze Kriegs-zeit hindurch einen Prunkpokal nach dem andern aus dem Silberihrer Markircher Minen fertigen lassen und ins Rathaus der Stadtstiften.

Im übrigen scheinen sich all die geistige Arbeit und Freiheitwährend dieser Jahrzehnte noch mehr als sonst in Strassburg zukonzentrieren. Die Lokalhistoriker können wir bei Seite lassen;nur etwa Johann Wenker ist unter ihnen zu nennen, den dieschweren Hungerjahre 1636 und 1637 zum Nachforschen veran-

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