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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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livianischen Bücher als ein von keinem Bearbeiter der römischenGeschichte zu entbehrendes Werk.

Von besonderer Bedeutung für die Geschichte des Elsassessind die literarischen Bewegungen jener Zeit. Der EnsisheimerJacob Balde (16041668), dessen Dichtung als «eine der glän-zendsten Leistungen der Renaissancepoesie» zu preisen ist, ge-hört freilich in Leben und Tätigkeit dem Eisass nicht an. Wäh-rend er in Bayern seine prächtigen lateinischen Lyrica dichtet,regt sich als Gegenstück hiezu in Strassburg ein merkwürdigesliterarisches Leben, dem Auftreten des Erneuerers der deutschenPoesie, Martin Opitz , folgend. Auch hiebei wieder erscheintMathias Bernegger als der Tätige und Fördernde, ja als derMittelpunkt dieses Kreises, in den 1620er Jahren, dem u. A.Freinsheim und die in Strassburg studierenden Christoph Colerund Daniel von Czepko , Beide Schlesier gleich Opitz , ange 1 -hören. Opitz selbst kehrt auf seiner Reise nach Paris bei denStrassburger Verehrern an; auch Zinkgref nimmt vom nahenHeidelberg her an diesem Leben Teil; hier in Strassburg veran-staltet er unter Mitwirkung Berneggers im Jahre 1624 die ersteAusgabe der Teutschen Poemata des Opitz , zwei Jahre später aucheine Ausgabe des «Buchs von teutscher Poeterey», gleichzeitigmit seiner eigenen Sammlung: «der Teutschen scharpfsinnigeund kluge Sprüch». Auch Weckherlin wirkt von Stuttgart her-über; er wird Mitglied der im Jahre 1633 in Strassburg durchJesajas Rumpler gestifteten «aufrichtigen Tannengesellschaft».Nach dem Muster der berühmten Fruchtbringenden Gesellschaft vertritt auch diese Strassburger Societät das Streben nach Rein-heit der Muttersprache, überhaupt das patriotische Interesse andeutscher Sprache, an «alter teutscher aufrichtigkeit» und deut-schem Wesen.

Von der gesellschaftlichen und geistigen Einwirkung Frank­ reichs ist schon mehrmals die Rede gewesen; neben sie tritt jetzt,mächtiger als bisher empfunden und deutlicher als bisher be-zeugt, die politische Absicht. Daher eben jetzt auch dieser man-nigfaltigen fremden Kraft gegenüber noch einmal das Gefühldes Autochthonen und das Bedürfnis des Heimatschutzes sichregen. In den Predigten des Strassburger Münsterpfarrers (1633bis 1666) Johann Konrad Danhauer wider französische Sprache

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