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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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lassen, «ob auch zu andern Zeiten in diesem fruchtbaren Landedergleichen Mangel in Kriegs- und Misswachszeiten srich befun-den», worüber er zum Verfasser einer Stadtchronik wird. Ebensoist an den Strassburger Johann Philipp Abelin als den Verfasserdes unschätzbaren Theatrum Europaeum zu erinnern. Von In-teresse sind auch die damals in Strassburg sich anhäufendenKunst- und Raritätenkabinette, deren reichhaltigstes dasjenigedes Seidenstickers Balthasar Ludwig Künast war. Zu der Zer-streuung so manches Gutes draussen im Lande bildet dieses Zu-sammentragen durch private Liebhaber in der sichern Stadt einlebensvolles Gegenstück; Manches mag gerade aus jener allge-meinen Vernichtung sich in diese Kabinette gerettet haben, wieja auch die Stadt selbst von den Schweden eine kostbare Jesu-itenbücherei aus Lothringen kauft und die Weissenburger Co-dices, welche die Kaiserlichen verschleppt haben, später in Wol­ fenbüttel auftauchen. Die Universität allerdings ist durch denKrieg schwer geschädigt; er hemmt den Zustrom von Studenten,und auch die Mitwirkung auswärtiger Lehrer von Ruf nimmt ab.An ihre Stelle treten in steigendem Mass einheimische Kräfte,wobei einzelne Familien beinah in jeder Generation einen Pro-fessor stellen. Nur einige Wenige verdienen hier hervorgehobenzu werden. Nach Georg Obrecht dem Aeltern (15471612), «demersten staatswirtschaftlichen Theoretiker Deutschlands », dessenEnkel Ulrich Obrecht (16461701), «geistreich, fein gebildet,von Bossuet mit Recht als epitome omnium scientiarum bezeich-net», Verfasser zahlreicher philosophischer, historischer und ju-ristischer Werke. Staatsrecht und politische Geschichtschreibung,die Hauptdisziplinen dieser Zeit, haben in Strassburg auch einenLehrer in dem gleichfalls encyclopädisch gerichteten Johann Heinrich Böcler (16111672), der «als fein- und scharfsinnigerVertreter der Altertums- und Geschichtswissenschaften bekannt»ist. Der gefeierte Mathias Bernegger (15821640) ist Professorder Geschichte und der Eloquenz, aber auch als Philologe erstenRanges geschätzt; dabei Freund Keplers und Uebersetzer desGalilei . Sein Schwiegersohn und Mitarbeiter Johannes Freins­ heim (16081660) hat sich als Philologe ausgezeichnet; nochNiebuhr preist ihn hoch und bezeichnet seine Supplemente der

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