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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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schellen, dass die Reichsstädte die Reichsversammlungen be-schicken, dem Kaiser huldigen, überhaupt sich als Glieder desReiches benehmen. Noch bei der Restellung des neuen oberstenGerichtshofs im Jahre 1657 erklärt Frankreich , dass er nichtsAndres sein solle als Nachfolger der ehemaligen EnsisheimerRegierung, ohne Anspruch auf weiter reichende Jurisdiktion.

Aber der ganze Zustand kann Niemandem als ein fertiger,dauernd lebensfähiger erscheinen. Nach Allem, was schon ge-schehen, und wie die Lage des Elsasses ist, kann er nur einenBeginn darstellen. Der absolutistisch und einheitlich ausgebildetefranzösische Staat muss aggressiv sein gegen das mittelalterlicheReich und das zersplitterte Eisass. Ein Verlangen nach Abrun-dung, nach Expansion ist auch gefordert durch die Kraft und Un-geduld einer jahrhundertelangen Vorbereitung.

Freilich sind die Begriffe durch den Friedensvertrag gegeben.Aber die Bestimmungen sind elastisch, sie geben Spielraum.

Sie sind, wie wir sahen, bewusst in diesem Sinne redigiertworden. Der französische Unterhändler Servien, der nach demZeugnis eines Zeitgenossen «excellait en equivoques et en dupli-cites», hat für alle Zukunft die Möglichkeit sichern wollen, «din-terpreter la Convention selon le sens qui nous est favorable»;nach Schluss der Verhandlungen bemerkt er zum Resultat: «jecrois quil se faudra contenter que chacun demeure avec les pre-tentions et explique le traite comme il lenlend».

Wir haben uns klar zu machen, dass die ganze elsässischePraxis Frankreichs bedingt ist sowohl durch die innern politi-schen Verhältnisse dieses Reiches als durch seine deutsche Politik.

So ist das Ende der Aera Harcourt zusammengefallen mitdem Ende der Fronde. Die Besieger der Fronde, der junge KönigLudwig XIV . und Mazarin , befestigen und verherrlichen ihreMacht durch die Niederzwingung Spaniens im Pyrenäenfrieden1659; sie sichern auch den französischen Einfluss in Deutsch­ land durch den Abschluss des Rheinbundes im Jahre 1658. Ma­ zarin aber erhält den Lohn für diese Erfolge seiner Politik durcheine gewaltige Dotation im Eisass: der König schenkt ihm imJahre 1659 die Grafschaft Pfirt samt den Herrschaften Beifort,Delle, Thann , Altkirch und Isenheim , «pour les tenir, posseder,exploiter, en jouir et user perpetuellement et ä toujours». Zur