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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Während die Schiedherren lässig und langsam an der aus-sichtslosen Arbeit sind, üben die Städte noch immer und fastostentativ ihre Souveränetät und Reichsunmittelbarkeit. Siesenden Truppen in den Tiirkenkrieg; Schlettstadt schwört aus-drücklich «ihro römischen kaiserlichen Majestät einzig und alleinund sonst Niemand»; Colmar prägt Münzen mit der Umschrift:moneta liberae civitatis imperialis Colmariensis.

Endlich im November 1671, durch Frankreich gedrängt,kommt das Schiedsgericht zu einem Spruch, und dieser lautetdurchaus zu Gunsten der Städte: die dem König zukommendeSouveränetät besteht in der Landvogtei und ihrem Schutzrechte;mit der Landvogtei hat der König nicht auch die Territorialhoheitüber die Städte erlangt.

Wir sehen uns nach den grossen und allgemeinen Ereig-nissen um, die den Verlauf dieses Dekapolistraktandums begleiten.Es ist der Devolutionskrieg von 1667 mit der Eroberung derfesten Plätze in den spanischen Niederlanden durch König Lud­ wig . Dann die Auflösung des Rheinbundes im Jahre 1668. ImAugust 1670 überfällt und erobert Ludwig das Herzogtum Loth-ringen. Im April 1672 erklärt er Holland den Krieg. Zu Beginndes Jahres 1673 kämpfen brandenburgische und kaiserlicheTruppen am Niederrhein gegen Frankreich ; sie verlieren denFeldzug. Und nun sind die Franzosen Herren des ganzen Rhein-gebietes, nun handeln sie als Krieger und Sieger auch im Eisass.

In überaus lebendiger Weise entwickelt sich vor unsernAugen das Verhältnis König Ludwigs zu diesem Lande. NachMazarins Weggang sein wiederholt vorstürmender Wille denHerrn zu zeigen, und immer wieder, auf den Rat der Minister,das Sichbescheiden zu Geduld und Rücksicht. Jetzt aber geltenkeine Rücksichten mehr; der Rheinbund ist aufgelöst, der Bruchmit Deutschland vollzogen. Damit tritt in der elsässischen Politikdie Wendung ein.

Als im Oktober 1672 die Armeen des Reichs sich bei Frank­ furt sammelten, übernahm Conde die Deckung des Elsasses. Erzerstörte die Rheinbrücke bei Strassburg , und als die allgemeineEntrüstung über diese Gewalttat im Lande stürmisch laut wurde,schrieb er an Louvois jenen denkwürdigen, vielzitierten Brief:«Je ne puis mempescher de dire que lautorite du roy va se per-

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