durch Strassburg fordere; die Stadt sei ihm von seinen Gerichts-höfen als Teil des Elsasses zugesprochen; willige Nachgiebigkeitwerde ihr die Gnade des Königs und Erhaltung ihrer Privilegiensichern, während jeder Widerstand ihr künftiges Schicksal ge-fährde; er sei der versammelten Truppenmacht gegenüber aus-sichtslos. Der folgende Tag brachte Räten und Bürgern Strass-burgs die schwere Pflicht des Entschlusses; er brachte auch dieAeusserung des inzwischen in Illkirch eingetroffenen Louvoisselbst; in harten schroffen Worten wiederholte dieser die Begeh-ren Montclars und bedrohte die Stadt für den Fall des Wider-strebens mit Bombardement, Sturm und Plünderung sowie derStrafe der Rebellion.
Inzwischen beriet der Magistrat. Dann gab er die Sache, dasschwerste Traktandum, das er je vorgelegt, vor die Schöffen. Ermachte geltend, was für Widerstand und Verteidigung spreche:lauter Erwartungen, Vermutungen, politische und moralischeBedenken. Aber diesen gegenüber standen Tatsachen: die «for-midable Macht Frankreichs , die nicht allein der europäischen,sondern fast der ganzen Welt in die Augen falle»; das Ungenügender städtischen Fortifikationen; die Kleinheit und Unerfahrenheitder Miliz; die Schwäche der ohnedies «ungehorsamen, uneini-gen, delicaten und ungeduldigen Bürgerschaft». Alles dieses er-wog der Rat mit einer ruhigen, nüchternen Verständigkeit, mitdem Blick auf das Nahe, Erreichbare und Notwendige.
«Betrübt und bestürzt« legte der Rat dieses Für und Widerden Schöffen dar; wir haben den Eindruck, dass er dazu neigte,sich «in christlicher Gelassenheit» dem Zwange zu fügen, sichzu «accomodieren».
Im Schöffenkollegium war begreiflicherweise die Stimmungzunächst für Widerstand, ebenso bei der Bürgerschaft. Schliess-lich aber siegte überall, gewiss nach heftigen Szenen, die Ein-sicht, dass die vom Reiche verlassene Stadt zu schwach sei, umeinem Ludwig XIV. Widerstand zu leisten.
Am 30. September kam man zu Ende. Draussen in Illkirch wurde die Kapitulation durch die Vertreter des Rates unterzeich-net. Nachmittags ritt Louvois an der Spitze seiner Regimenterin Strassburg ein. Am 20. Oktober hielt der Bischof Franz Egon
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