gen mussten geschleift werden; Strassburg blieb bei Frankreich ,und dieser Besitz war nun völkerrechtlich anerkannt.
Im Uebrigen bedeutete dieser Friede von Ryswyk, gleichdemjenigen von Nymwegen, lediglich eine Bestätigung der nunein halbes Jahrhundert alten Stipulationen von Münster . Die tat-sächliche Beherrschung des Elsasses durch Frankreich wurdeüber die in Münster abgetretenen österreichischen Gebiete hin-aus nur für die Stadt Strassburg rechtsgültig gemacht; in denFällen der Reunionen verfügte der Friede die Wiederaufhebungdes tatsächlichen Zustandes.
Bei dieser Rechtslage blieb es nun auch durch den spanischenErbfolgekrieg und die ihn beendigenden Friedensschlüsse vonUtrecht im Jahre 1713, Rastatt und Baden im Jahre 1714 hindurch.
Der Boden unseres Elsasses ist durch diesen Krieg wieder-holt berührt worden, von der Eroberung Landaus durch dieDeutschen im Jahre 1702 und der Eroberung Breisachs durchdie Franzosen im Jahre 1703 bis zum Einfall des kaiserlichenGenerals Mercy ins obere Eisass im Sommer des Jahres 1709.
Im Frühling eben dieses Jahres 1709 begannen Friedens-unterhandlungen im Haag. In deren Verlaufe traten angesichtsder Erschöpfung Frankreichs nicht nur der Gedanke einer Wie-deraufnahme der Freigrafschaft in den Reichsverband auf, son-dern auch die Forderung, dass Breisach und Strassburg zurück-zugeben und die Besitzverhältnisse im Eisass genau nach demWortlaute des Münsterer Vertrages zu regeln seien. Die südwest-lichen Teile des Reiches verlangten mit Entschiedenheit dieSchaffung einer «Barriere» gegen Frankreich . König Ludwig selbsterklärte sich zu Satisfaktionen durch Strassburg und das Eisassbereit. Aber die Verhandlungen hierüber scheiterten an den durchOesterreich gestellten Forderungen hinsichtlich der spanischen Thronfolge. Frankreich , noch immer stark, stärker als die Gegnerwähnten, nahm den Krieg von neuem auf und führte ihn mitwechselndem Glücke weiter. Und nun tratEngland von der grossenAllianz weg und auf Frankreichs Seite, worauf am 11. April 1713der Friede zu Utrecht geschlossen werden konnte. Auch hiebei warwieder von Strassburg und dem Eisass die Rede; aber das jetztdurch England gestützte Frankreich war für keine Konzessionenmehr zu haben. Kaiser und Reich blieben diesem Frieden fern.
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