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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Siebenzehntes und achtzehntes Jahrhundert.

Die Herrschaft Frankreichs im Eisass, die teils auf Verträgenteils auf einseitigen Aneignungen ruhte, war vom Reich aner-kannt für die alten österreichischen Lande und Städte sowie fürdie Städte Strassburg und Landau .

Im Bereiche der übrigen Gebiete betrachtete Frankreich dieFrage der ehemaligen Reichsstädte als erledigt. Schon bei denVerhandlungen in Nymwegen hatten die Franzosen das Begeh-ren der Kaiserlichen, diese Städte zurückzugeben, mit der Er-klärung abgelehnt, dass dies gerade so sei, als ob man Frank­ reich eine Stadt mitten in seinem Innern nehmen wollte. Seitdemist von diesen Städten nicht mehr die Rede, auch nicht von Seitedes Deutschen Reiches.

Anders wurde verfahren hinsichtlich der übrigen Reichs-stände.

Frankreich hatte sie durch die grosse Reunion von 1680sich angegliedert und den Besitz ohne weiteres angetreten, dieSouveränetät auch über diese Gebiete auszuüben begonnen. ImRyswyker Frieden war zwar die Aufhebung der Reunion ange-ordnet worden, diese Anordnung wurde aber nicht ausgeführt.

Dennoch musste Frankreich wünschen, mit diesen Ständenins Reine zu kommen. Seine tatsächliche Herrschaft bedurfteeiner bessern rechtlichen Begründung, als die Motivierung derReunionsurteile w T ar. Da die Anerkennung nicht vom Reiche zuerlangen war, so sollte sie geschehen durch entsprechende Wil-lensäusserung der Beteiligten, die zwar den Consens des Reichesnicht ersetzte, aber doch eine beschränkte rechtliche Anerken-nung bedeutete. Aber auch für diese Stände selbst, die, vomReich im Stiche gelassen, ihrer eigenen Schwäche gegenüber derMacht Frankreichs täglich bewusst werden mussten, war ein

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