Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
JPEG-Download
 

und an gleichgültiger Unempfindlichkeit sich im EinzelfalleStrassburg offenbarte, wiederholte sich hundertfach durchsLand, in jeder Stadt und in jeder Herrschaft. Man war derKriege und der Verhandlungen satt und begehrte nur Ruhefür die Wiederaufrichtung aller Zustände, für Arbeit und Lebens-genuss, gleichviel unter welchem Herrscher. Es war eine allge-meine Stimmung, die natürlich das lebendigere Empfinden Ein-zelner nicht ausschloss. Solcher z. B.: die in der neuen Herrschaftnur etwas Vorübergehendes sahen und von einem Umschwungin der allgemeinen politischen Lage auch die baldige Rückkehrdes Elsasses zum Reich erhofften. Andere wahrten sich unteräusserlicher Loyalität ihre persönliche Ueberzeugung; im offi-ziellen Actus sangen sie das Tedeum mit, aber zu Hause war ihrLied: An den Wassern zu Babel sitzen wir und weinen.

Dass die Reunionsbeschlüsse von 1680 offenbar sofort zurAusführung kamen, ist schon gesagt worden. Auch wie Frank­ reich ohne Säumen das Land mit Festungen umgürtete undsicherte, haben wir gesehen.

Nun aber sammelt es sich nicht ausschliesslich zu ruhigerPflege und Leitung des neuen Gebietes. Sondern die politischeEroberung sollte zunächst fortgesetzt und gewissermassen ge-krönt werden durch eine gleiche Tätigkeit auf kirchlichem Ge-biet. An die Annexion schloss sich die Propaganda.

Im Vertrage von Münster war die Gleichberechtigung derKonfessionen anerkannt und jeder Kirche derjenige Bestand anGütern und Rechten bestätigt worden, den sie nachweislich am1. Januar 1624 besessen hatte.

Bei der Kapitulation von Strassburg war durch König Lud­ wig versprochen worden, die freie Religionsübung, wie sie seitdem Jahre 1624 in Strassburg gewesen, weiterbestehen zu lassen.

Im Regensburger Waffenstillstand von 1684 sagte König Ludwig den in den reunierten Städten und Gebieten wohnendenProtestanten die Gewährung freier Religionsübung und die Be-lassung ihrer Kirchen und Schulen zu.

Endlich gehörte zu dem in den Lettres patentes anerkanntenhergebrachten Besitzstände mehrerer Stände auch der Prote­ stantismus .

302