Trotz diesen wiederholten feierlichen Verpflichtungen er-lebte jetzt das französische Eisass eine neue mächtige Offensivedes Katholizismus. Papst Innocenz X. hatte erklärt, dass er jeneBestimmung des westfälischen Friedens über Gleichberechtigungder Konfessionen nicht anerkenne. Die römische Kirche wollteden Kampf und die Eroberung. Es war die Zeit, die den Kur-fürsten August von Sachsen für die polnische Königskrone denGlauben seiner Väter dahingeben, den Kurpfälzer Johann Wil helm seine Lande zum Katholizismus zwingen sah. Damals istauch dem Ryswyker Friedensinstrument in letzter Stunde dieKlausel beigefügt worden, dass in allen restituierten Reunions-landen die römischkatholische Religion bei ihrem jetzigen Be-stände zu belassen sei. Diese Beifügung war durch Frankreich erzwungen worden. Deutlich zeigt sich, wie sehr König Ludwig in der Gewalt der Kurie war.
Im Eisass tritt diese erneute Tätigkeit gegenreformatorischerKraft zu derselben Zeit ein, die uns den neuen Kurs der franzö sischen Herrschaft gezeigt hat, zu Beginn der 1660er Jahre. Be-zeichnenderweise fällt mit der Verschärfung politischen undkirchlichen Regimentes die Erhebung des Fürstenberg, als einerfranzösischen Kreatur, zum Bischof von Strassburg zusammen.Aber wir spüren auch die persönliche Wirkung des Königs selbst;schon im Jahre 1654 gibt er durch unmittelbare Verfügung seinenWillen kund, dass im ganzen Bereich der von ihm erworbenenösterreichischen Lande keine andere Religion zu dulden sei alsdie katholische. Er sieht in einer solchen eine Beleidigung nichtnur Gottes, sondern auch seiner eigenen Person und Autorität.Es ist dieselbe, das Himmlische und das Eigene merkwürdig ver-mengende Anschauung, die dem Eisass das Ludwigsfest, die Lud-wigskirchen, die Ludwigsstädte und die Ludwigsfestungen be-schert. Kirchliche und politische Expansion werden dem KönigEins. Er hält die Elsässer Protestanten als solche für Gegner Frank reichs ; er will aber auch innerhalb der katholischen Kirche desElsasses keine Nichtfranzosen am Werke sehen, duldet hier keineJesuiten aus nichtfranzösischen Ordensprovinzen und keine nichtfranzösischen Aebte und Aebtissen, lässt die Benediktinerklöstersich nur den französischen Kongregationen anschliessen, u. dgl. m.
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