und Südfrankreich weitergesandt wurden. Andrerseits sammeltensich in Strassburg die reichen Elsässer Landesprodukte für denExport sowie Italiäner und Schweizer Waren, um das Land oderden Rhein hinab nach Holland und Norddeutschland spediert zuwerden. Die Stärke dieses Verkehrs ist daran zu messen, dass inden 1780er Jahren auf der Strecke von Strassburg nach Basel allein zur Beförderung der nach der Schweiz durchgehendenWaren alljährlich 6000 Wagen mit 36—40,000 Pferden verkehr-ten. Neben Strassburg war eine vielgebrauchte Umschlagstellein Beifort, namentlich für englische und holländische Waren,die nach der Schweiz , nach Neuenburg und nach Genf gingen.
Zu dieser alten und nun sich noch steigernden wirtschaft-lichen Tätigkeit tritt eine Fülle des Neuen. Wie Frankreich indiesen Jahrzehnten den «grand essor des entreprises» erlebt, sodas Eisass. Es sieht Fabriken in Menge emporsteigen, die alleeinem neuen industriellen Erwerbe dienen.
Nur das Wesentliche haben wir zu beachten. Nachdemschon in den Jahren 1695—1697 ein erster Versuch für Fayence-fabrikation in Hagenau gemacht worden ist, gründet im Jahre1721 der Tabakspfeifenfabrikant Karl Franz Hannong aus Mast-richt eine Fayencemanufaktur in Strassburg . Dieses Unterneh-men, das im Jahre 1724 eine Filiale in Hagenau erhält, entwickeltsich so sehr, dass seine Produkte vorbildlich werden für allesüddeutschen Fayencefabriken, ja dass sie selbst in Rouen kon-kurrenzfähig sind.
Die alte einheimische Eisenindustrie erhält eine Ergänzungzu einem bestimmten Zwecke. Das ist die im Jahre 1730, imAufträge des Königs, durch Johann Heinrich Anthös in der Nähevon Ober-Ehnheim gegründete Säbelklingenfabrik, manufactureroyale d’armes Manches. Sie ist dazu bestimmt, die Waffen fürdie französische Armee herzustellen, die man bis dahin aus So lingen bezogen hat.
Papierfabriken werden eröffnet in Tiirkheim vor 1724, inRoppenzweder 1737, in Lutterbach bei Münster 1740 usw.; imJahre 1742 beginnt die Ausbeutung der Erdölquelle in Pechei-bronn.
Namentlich aber ist zu reden von der oberelsässischenRaumwollindustrie. Sie wurzelt in Mülhausen , und es ist von
320