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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Innerhalb des in solcher Weise abgesonderten Eigenlebensgedeihen vorerst einige elsässische Specifica. Der Anbau, die Ver-arbeitung und die Ausfuhr des Tabaks nimmt eine mächtige Ent-wickelung. Ebenso der altgepriesene Weinbau; dieser wird sointensiv betrieben, dass seit den 1720er Jahren die Regierungeinschreitet; sie will die Rebgärten auf Hügel und Abhänge be-schränken und ihr Hinabsteigen in die Ebenen nicht gestatten,die ausschliesslich dem Anbau von Getreide dienen sollen; auchwürde die allzugrosse Ausdehnung des Weinbaus einen denWaldbestand schädigenden Verbrauch von Pfählen nötig machen.Im Jahre 1740 werden in Heiligenstein bei Schlettstadt die erstenvon Chiavenna eingeführten Reben, »Klevner», gepflanzt. Indie gleiche Zeit fällt die Gründung der grossen und berühmtenBaumschulen in Bollweiler, auf dem Gute des Marschalls vonRosen; sie geschieht durch denselben Joseph Baumann aus Dör-nach in der Schweiz , der auch zuerst die amerikanische Rebe(raisin du Cap) in Europa eingeführt hat. Hier ist auch derUnterelsässer Eisenindustrie zu gedenken, deren Anfänge zumTeil Gründungen der Grafen von Hanau-Lichtenberg des sechs-zehnten Jahrhunderts sind. Bärental, Jägertal, Niederbronn ,Zinsweiler, Reichshofen, Mutterhausen, alle diese Werke gehenin der uns beschäftigenden Zeit in den Besitz der Herren vonDietrich über, die sie erweitern, verbessern und zu einer im-posanten Gesamtanlage von Hüttenwerken, Giessereien, Eisen-schmieden usw. ausbauen. Endlich das Ausfuhr- und Transit-geschäft des Elsasses innerhalb des grossen Verkehrsgebietes,«das von Italien bis zur Nordsee sich erstreckte und die öko-nomisch höchststehenden Staaten der damaligen Zeit in sichschloss». In dem grossen Transitverkehr war Strassburg dervor allen wichtige Umschlagsort; seit dem Jahre 1687 bestandhier, um die Funktionen dieses Handelsplatzes zu heben und zusichern, das Corps des Marchands, die Handelskammer. «An derKreuzung grosser Verkehrsstrassen und am Endpunkte der rhei-nischen Großschiffahrt gelegen, vermittelte Strassburg den Güter-austausch zwischen den Völkern Mitteleuropas ». Seine Schifferbrachten auf dem Rheine , die Fuhrleute mit den gewaltigen Last-fuhrwerken jener Zeit auf den Strassen von Mainz usw. dieGütennassen, die dann von hier nach der Schweiz , nach Italien

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