Jahre 1792; an dreihundert Schüler aus allen Ländern wurdenwährend dieser Zeit in ihr ausgebildet. Wie sehr dieses ColmarPfeffels das Ziel einer Wallfahrt aus der ganzen Welt war, zeigenuns die im Pfeffelschen Fremdenbuch stehenden Namen der Be-sucher; wir haben eine ausserordentliche momentane Berühmt-heit vor uns, der kaum eine dauernde Bedeutung und Wirkungentspricht.
Auch andere Elsässer Philanthropisten jener Zeit werdenuns bekannt. So waren Johann Friedrich Simon, JohannesSchweighäuser, Johann Jacob Mochel und Johann Ehrmann be-geisterte Anhänger Basedows und zum Teil Mitarbeiter an seinemPhilanthropin in Dessau . Simon und Schweighäuser haben danneine eigene Erziehungsanstalt für protestantische Mädchen inStrassburg gegründet, auch die Herausgabe eines «Elementar-werkes für Naturgeschichte und Kunst» begonnen. Eine andereGestalt dieses Kreises pädagogischer Reformer war Philipp Lud-wig Eichborn, ein Freund Pfeffels; zur gleichen Zeit, da dieserin Colmar seine Schule begründete, eröffnete Eichborn ein Phi-lanthropin in Markirch ; im Gegensätze zu den andern Anstaltendieser Art, die für Kinder der vornehmen Stände bestimmtwaren, wollte die Schule Eichborns dem Mittelstände dienen.
Aber die Kraft geistigen Lebens sammelte sich zumeist inStrassburg . Hier war die bewegteste Austausch- und Vermitt-lungsstelle der beiden Kulturen. Deutsche und französische Bil-dung äusserten sich nirgends so entschieden, traten sich nirgendsso nahe wie hier.
Wenn die Pfeffelsche Lesegesellschaft in Colmar sich alsZiel setzte «l’etude comparative de la littörature de France etd’Allemagne», oder wenn die enthusiastische Anna von Ratsam-hausen die deutschen Klassiker erhob und pries auf Kosten derFranzosen , so stellten sich hier auf der engen Bühne Strassburgsdie beiden Welten viel mächtiger zum Vergleiche.
Vor allem in den beiden Universitäten.
Die eine, die protestantische Anstalt, war erwachsen aus demalten berühmten Gymnasium Johann Sturms, das im Jahre 1566zur Akademie, im Jahre 1621 zur Universität erhoben wordenwar. Die andere, die bischöfliche Universität, war die im Jahre
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