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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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ziskaner und Stadtchronist Malachias Tschamser in Thann ge-nannt werden oder der einige Zeit in Münster weilende Calmet.Aber die Benediktiner des Elsasses standen weit hinter ihrenOrdensgenossen in andern Ländern zurück, sodass der AbböGrandidier über die Indolenz dieser Mönche spotten konnte, quinont en göneral dautre occupation que leur choeur et leur cave;von ihren Kollegen im Orden von Citeaux urteilte Schöpflin, dasssie im allgemeinen francs ignorants seien.

Was wir suchen, finden wir nicht in den Klöstern, sondernmitten im modernen und weltlichen Leben, in den beiden Haupt-städten des Elsasses: Strassburg und Colmar .

In Colmar war nicht allein durch den Conseil Souverain einZentrum juristischer Kenntnisse geschaffen. Auch sonstige gei-stige Interessen verschiedener Art hatten hier eine Heimat. Johann Daniel Schumacher , Bibliothekar Peters des Grossen und Mit-begründer der Petersburger Akademie, war ein gebomer Col-marer. Und unter den Räten und Advokaten des Conseil warenimmer Einige, die sich mit schöner Literatur und mit Philo-sophie befassten. Ueberdies bestanden die durch Pfeffel gegrün-deten literarischen Zirkel: die Lesegesellschaft und la Tabagieliteraire. Namentlich aber: in Colmar lebte Gottlieb Konrad Pfeffel (17361809), als Mensch und als geistige Natur ehr-würdig, ausserordentlich anregend, weithin bekannt. Seine um-fangreiche Dichtung allerdings zeigt wenig Originalität, sie istarm an Formenreiz und ohne Kraft. Aber neben ihr steht eigen-artig und den Ruhm Pfeffels begründend sein im Jahre 1773gegründetes Erziehungsinstitut. Es war «eine Art Realschule fürSöhne der gebildeten Stände, die wegen der Uniformierung derZöglinge und der militärischen Uebungen derselben den Nameneiner Kriegsschule führte». Der Anstoss zur Gründung dieser An-stalt kam vom Philanthropin des Martin Planta und des UlyssesSalis-Marschlins in Graubiinden; später wirkte auch BasedowsEinfluss. Die Schule sollte dienen der Bildung zur Humanität,der harmonischen geistigen und leiblichen Entwickelung; siestand mitten im Flusse der damaligen Debatten über eine Reformder Erziehung und des Unterrichtes. Ursprünglich nur für Söhnedes Elsässer Adels bestimmt, wurde sie später ein «weltbürger-liches Institut» und war weithin anerkannt; sie bestand bis zum

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