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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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überm Rheine begegnete der von Westen her. Seit dem zweitenViertel des Jahrhunderts hatte namentlich die juristische Fakul-tät zahlreiche Lothringer und Franzosen unter ihren Schülern;sie wollten deutsch lernen in Strassburg , deutsches Staatsrechtund deutsche Reichsgeschichte hören. Seit dem Ende der 1760erJahre mengen sich unter sie auch Söhne aus HochadelsfamilienFrankreichs .

In dieser Frequenz, in diesem äussern Glanz erlebte die Uni-versität eine Wiederholung der grossen Zeiten Johann Sturms.In der Sache selbst aber, in der Leistung nicht. Die Geistesge-schichte des achtzehnten Jahrhunderts kann der StrassburgerUniversität im Ganzen keinen hohen Platz anweisen. Schon Zeit-genossen urteilten so. «Männer von Einsicht und Kenntnissen,aber keine Genies», nannte ein Resucher diese Professoren imJahre 1774; wenige Jahre später fand ein Anderer, dass mit Aus-nahme der medizinischen Fakultät diese Anstalt «immer mehrverfalle». Als Ursache dieses Verfalles galt in den Augen Vielerdie Rorniertheit der Wahlbehörde, die bei Resetzung einer Pro-fessur «ein ungeschicktes Stadtkind immer dem gelehrtestenFremden vorziehe». Aber diese Praxis Strassburgs entsprach denTendenzen der königlichen Regierung, die wie überall so auch hierdie öffentlichen Stellen nur an Eingeborene vergeben sehen wollte.So konnte geschehen, dass unter den 129 Lehrern, die vom Jahre1621 bis zur Revolution an dieser Universität unterrichteten, 105geborene Strassburger waren. Und dabei führte die Universitätkeineswegs ein abgeschlossenes Leben. Sie war weithin bekanntund hatte zahlreiche Schüler von überall her. Wie stark war derpersönliche Verkehr strassburgischer Professoren mit solchender Georgia Augusta ! Aber weder diese Beziehungen, noch diezahlreichen andern haben für die Gewinnung auswärtiger ge-eigneter Lehrkräfte nach Strassburg die Bahn geöffnet; es bliebbei der Regel der Bevorzugung der Eingebornen und bei verein-zelten Ausnahmen.

Wir treten einzelnen Lehrern dieser Universität näher.

Johann Schilter aus Pegau im Meissner Gebiete (1632-1705)war seit dem Jahre 1686 städtischer Consiliarius und Professorin Strassburg . Als Dozent nur in einem kleineren Kreise auserle-sener Schüler wirkend, als Schriftsteller von hoher Bedeutung.

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