Durch seine Forschungen hat er «zum ersten Male eine wahrhaftwissenschaftliche Behandlung des deutschen Privatrechts ermög-licht». Er ist auch der Erste gewesen, der «eine klare und be-stimmte Entwickelung des deutschen Lehnrechtes» erschlossenhat. Neben diese wichtigen Leistungen treten seine grossen Ar-beiten als Kanonist, seine Geschichte der deutschen Kirche inihren Beziehungen zu Päpsten und zu Fürsten , und sein Lehr-buch des Kirchenrechts. Von besonderem Interesse ist aber, wieSchilter durch seine Beschäftigung mit dem deutschen Rechtezu den alten deutschen Sprachdenkmälern geführt worden istund sich hiebei zum germanistischen Philologen entwickelt hat.In seinem Thesaurus antiquitatum Teutonicarum hat er die wich-tigsten althochdeutschen und einige mittelhochdeutsche Texte ge-sammelt. Auch ein «überraschend gelehrtes» altdeutschesGlossar hat er angelegt. Von besonderer Wichtigkeit für Strass burg ist ausserdem, dass Schilter die erste Edition der ChronikKönigshofens unternahm und das Statutarrecht der strassbur-gischen Republik zusammenstellte.
Enge schliessen sich an Schilters germanistische Arbeitendiejenigen seines Schülers Johann Georg Scherz (1678—1754),eines gebomen Strassburgers, an; dieser war Professor in Strass burg seit dem Jahre 1702. Seinem Lehrer an Sprachkenntnisüberlegen gab er zu dessen Thesaurus, der posthum erschien,wertvolle Berichtigungen und Erläuterungen aus Handschriften.Auch trug er selbst ein Glossarium germanicum medii aevi zusam-men, das nach seinem Tode durch Jeremias Jacob Oberlin we-sentlich vervollständigt und in den Jahren 1781—1784 veröffent-licht wurde.
Dieser Oberlin (1735—1806) war auch selbst Herausgebervon Werken der mittelhochdeutschen Literatur und Verfasservon Monographien über solche Autoren für die Alsatia literariaSchöpflins.
Von Bedeutung ist jedenfalls, wie in diesen Arbeiten früherelexicographische Bestrebungen des Elsasses sowie das durchSpangenberg und Moscherosch vertretene Interesse am deutschen Altertum Fortsetzung und tiefere Begründung fanden. Schilter,Scherz und Oberlin haben den Boden geschaffen für die deutscheSprachforschung und Altertumswissenschaft der spätem Zeit.
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