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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Oberlin war auch neben diesen germanistischen Arbeiteneiner der Ersten, die romanische Philologie trieben; er schriebeinen Essai sur le patois Lorrain. Aber er erweist sich überhauptals einen vielseitigen Gelehrten. Er katalogisierte die hebräischenBibelhandschriften der Strassburger Bibliothek. Er edierte klas-sische Autoren. «Er war der Erste, der nach dem Vorbilde vonChrist und Heyne an der Strassburger Universität Vorlesungenüber Archäologie gehalten hat. Der Erste auch, der es unternom-men hat, in den Primae lineae orbis antiqui, die antike Geogra-phie mit besonderer Rücksicht auf die erhaltenen Bauwerke zubehandeln».

Neben Oberlin stand Johann Schweighäuser (17421830),seit dem Jahre 1770 Professor. Erst philosophischen Studien er-geben, dann fast ausschliesslich Philologe. «Nicht durch Viel-seitigkeit glänzend wie Oberlin, aber gross durch Beschränkung».Als Herausgeber griechischer Prosaiker hat er eine imposanteArbeitsleistung aufzuweisen; besonderen Ruhmes w r ert sind indieser langen Reihe die Editionen des Polyb, des Appian und desEpiktet, «die noch immer zum Werkzeuge der Philologen ge-hören».

Und nun die Historiker.

Der Verfasser des Bellum Waltherianum, Königshofen, Wim-pfeling, Sleidan haben Strassburg zu einem klassischen Orte derGeschichtschreibung gemacht. Ihnen folgen die Epigonen Speck-lin, Wencker, Obrecht, Laguille. Dann aber erhebt sich hier diehistorische Forschung mächtig durch Johann Daniel Schöpflin .

Schöpflin wurde geboren im Jahre 1694 zu Sulzburg in derbadischen Markgrafschaft. Er studierte in Basel , dann seit demJahre 1711 in Strassburg . Im Jahre 1720 erhielt er hier die Pro-fessur der Geschichte und Eloquenz, trotz seiner Jugend undseiner Fremdheit. Diese Wahl eines Nicht-Strassburgers war eineAusnahme von der Praxis der Wahlbehörde, die für Schöpflinsschon damals spürbare Bedeutung zeugt. Eine mehrjährige Reisedurch Frankreich und Italien vollendete seine Ausbildung, be-gründete und befestigte sein Wesen. Von da an ist er, zahlreicheBerufungen nach Frankfurt a. O., Petersburg, Wien usw. ab-lehnend, der Stadt Strassburg und ihrer Universität treu geblie-ben. Seit dem Jahre 1752 ohne die bisherige Professur, in unab-