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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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behelfen sich ohne innere Verarbeitung, ohne einfühlende Ver-bindung und Darstellung, überhaupt ohne historische Kunst. Be-sonnen und kritisch handelt Schöpflin gegenüber den Urkunden;und nicht gewöhnlich ist auch seine Einsicht in den Begriff deshistorischen Zeugnisses; er bleibt nicht bei den Urkunden stehen,sondern berücksichtigt die Denkmäler im weitesten Sinne. «Unterden gleichzeitigen Unternehmungen auf dem Felde der deutschen Landesgeschichte ist keine, die an methodischer Führung unddauernder wissenchaftlicher Bedeutung neben die Alsatia illu-stTata gesetzt werden könnte».

Schöpflins Schüler, der als Fortsetzer seines Werkes seinenRuhm übernahm, aber auch durch eigene Leistung neu begrün-dete, war der im Jahre 1737 in Buchsweiler geborene Christoph Wilhelm Koch . Er wurde Verwalter der durch Schöpflin schonbei Lebzeiten der Stadt Strassburg geschenkten reichen Bücher-und Altertümersammlung und zugleich Hausgenosse Schöpflins.Ueberdies lernen wir ihn als Mitarbeiter bei der Historia Zaringo-Badensis und der Alsatia diplomatica kennen. Dann aber löstsich die Figur dieses «muntern, feurigen, gescheiten Mannes» vonder Schöpflinschen Gefolgschaft. Koch hält Vorlesungen überStaatsrecht und Deutsche Reichshistorie; auch er hat zahlreicheund illustre Zuhörer aus allen Ländern. Seit den 1780er Jahrenerscheinen seine wichtigen juristischen und geschichtlichenSchriften.

Wir nennen noch zwei strassburgische Gelehrte, die ausser-halb der Universität wirkend dauernde Bedeutung erlangt haben:den Historiker Grandidier und den Philologen Brunck.

Im Todesjahre Schöpflins kam der Auftrag an Grandidier,der ihm die Bahn gab zu seiner Stellung unter den elsässischenGeschichtsforschern: es war der Auftrag des Kardinal-Bischofsvon Strassburg , Louis Constantin de Rohan , das bischöflicheArchiv zu ordnen und die Geschichte des Bistums zu schreiben.Philipp Anton Grandidier, Sohn eines in Strassburg niedergelas-senen Lothringers, war damals neunzehnjährig; er gehörte demgeistlichen Stand an. Nach einigen Jahren, 1775 und 1776, er-schienen die beiden ersten Bände seiner Bistumsgeschichte undmachten ihn weithin berühmt. Zahlreiche gelehrte Gesellschaftendes Auslandes nahmen den jungen glänzenden Autor in ihre Mit-

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