gliedschaft auf. Aber neben dieser Zustimmung der gelehrtenWelt bekam Grandidier auch die Gegnerschaft zu spüren, die erdurch seine scharfe, an Legenden usw. geübte Kritik sich be-reitet. Sie hatte die Wirkung, dass der im Jahre 1779 zum Bischofvon Strassburg erhobene Louis Rene de Rohan der Bistums-geschichte seine Unterstützung versagte, sodass das Werk mitseinen zwei Bänden ein Torso blieb. Grandidier konnte jedochnicht müssig sein. Er verfasste eine Statistik des Strassburger Bistums und eine Beschreibung des Strassburger Münsters; erschrieb einen geschichtlichen Text zu dem Bilderwerke der Vuespittoresques de l’Alsace; er publizierte einen Codex diplomaticuszur Geschichte des Bistums; er schrieb zahlreiche Artikel in Zeit-schriften; er führte eine ausgedehnte gelehrte, vom energischenGeiste seiner Forschung erfüllte Korrespondenz. Namentlich aberrüstete er sich zur Veröffentlichung einer umfassenden Geschichtedes Elsasses; seine Arbeiten waren so weit gediehen, dass er imJahre 1787 den ersten Band dieser Geschichte konnte erscheinenlassen. Da starb er im selben Jahre, am 11. Oktober, im Kloster Lützel , dessen Archiv und Bibliothek er für seine Studien aufge-sucht hatte; er war 35 Jahre alt geworden.
Die fünfzehn Arbeitsjahre Grandidiers, zwischen seinem Ein-tritt ins Zaberner Archiv und seinem Tod in Lützel, umfasseneine erstaunliche Fülle von Leistung.
Vom beschränkten Lokalen des Strassburger Münsterswächst ihr Interesse und ihre Kraft zum grossem Bereiche desBistums, dann zum umfassenden Ganzen des Landes. Aber zumSchlüsse gebracht sind nur die Nebenarbeiten, die beiden Haupt-werke vor der Vollendung abgebrochen.
Ein Vergleichen Grandidiers mit Schöpflin liegt nahe. Ernimmt dessen Arbeit auf. Aber wie verschieden ist er von ihm!Dem grossen, oft glänzenden Weltverkehre Schöpflins gegenüberhat er ein unscheinbares Dasein. Bedeutsamer ist der Unterschiedder Werke. Grandidiers Bücher sind nicht in krankhaftem Pro-fessorenlatein geschrieben, sondern in lebensvollem Französisch;sie bieten uns statt jener trockenen, vielfach nur statistischenMitteilungen eine Darstellung von literarischem Werte. Freilichauch an Stelle jener Ruhe und Sicherheit, jenes methodischenEindringens, jener Genauigkeit eine rasche und zuweilen flüch-