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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Die Gesellschaft bietet wohl an allen diesen Orten beinahedasselbe Bild. Berühmt weit über Strassburg hinaus ist der Ge-neralkommandant Marechal de Contades wegen seiner Gast-freundlichkeit und wegen des vornehmen Tons seiner Abende;er hat einen Flor von Damen im Hause en guise de serail, wäh-rend seine Frau in Frankreich im Kloster lebt, und sein geprie-sener Oberkoch Close schmückt ihm die Tafel mit seiner Erfin-dung der Gänseleberpastete. Beim Prätor dAutigny dagegenfinden allwöchentlich Assembleen statt, an denen hauptsächlichGelehrte teilnehmen. Auch die Prinzessin Christine von Sachsenhält hier Hof, wenn sie nicht in ihrem Schlosse zu Brumat re-sidiert oder im hochvornehmen Stift Remiremont , dessen Aebtissesie ist; une dame aussi bonne que laide.

Alles dies aber ist Frankreich . Deutlich sehen wir, wie For-men, Anschauungen, Wünsche von Paris her in diese Strassburger Welt importiert werden. Vor allem in das Leben der Gesellschaftselbst; les elegances de Versailles sind ihr Ideal. Aber auch dieStadt um die Gesellschaft her wird unter die Wirkung diesesGeistes gestellt. Er weckt Bedürfnisse und formt das Auge, ja alleSinne.

Da verkünden sich die bischöfliche Herrlichkeit und diePrachtliebe des Hauses Bohan in dem superben Palaste, derwährend der Jahre 17281741 durch Robert de Cotte (?) erbautwird; für die Deckung der Baukosten belegt der Bischof seineUntertanen mit einer Spezialsteuer von 120,000 Livres jährlichwährend zwölf Jahren. Es ist die Zeit, da auch die anderngrossen Monumentalbauten entstehen: das Hotel du Gouverne-ment 1725f., das Hotel pretoral 1730f., der Darmstädter Hof1731 f., der Zweibrücker Hof 1754f., die Aubette 1765f. Bauten,die zusammen mit andern Schöpfungen dieses Jahrhunderts denCharakter des Stadtbildes zum Teil bestimmen.

Für die Ruprechtsauer Promenade hat schon Le Nötre diePläne gezeichnet und die schönen Ulmen gepflanzt; jenem Mar-schall Contades verdankt Strassburg auch die Anlage, die seinenNamen trägt. Durch den Pariser Architekten Jacques Francois Blondel wird im Jahre 1768 ein grosser Korrektionsplan ent-worfen, bei welchem der Künstler darauf ausgeht, trotz der Engeder Festungsstadt «eine Folge schöner Plätze und Architektur-

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