Band 
Vierter Jahrgang. Erstes Vierteljahr. 1784
Entstehung
JPEG-Download
 

?6

Tanzende Schlangen.

Le Gentil sah in Ponticheri einen indianischen Knaben,der mit einige» Kappenschlangen sein Brod verdiente.Diese Art Schlangen hat ein edleres Ansetzn mit ihrerKappe vom Kopf auf den Rücken, kriecht nicht auf demBauch, schleppt sich auf einem, zwei oder drei Ringengegen den Schwanz zu, halt den übrigen Theil ihresLeibs senkrecht. Ihr Biß ist tödtlich; Le Gentil warZeuge, daß einer von solcher Schlange gebißen wurde;der Unglückliche lebte noch kaum eine Stunde; dieser Fallaber ist selten.

Le Gentil ließ den indianischen Knaben einigemal zusich kommen. Er trug in einem kleinen, runden, wei-denen Korb zwei oder drei Kappenschlangen; spielte einenAugenblick seine Pfeiffe, tbat einige Schlage auf denDeckel des Korbs , spielte wieder, schlug wieder, wech-selte so öfters ab, machte dann seinen Deckel auf, dieSchlangen richteten sich in die Höhe, bewegten gelindeden Kopf als nach der Pfeiffe des Indianers. Um siemehr aufzubringen, gab er ihnen Schlage auf die Spitzeder Nase mit seinem Finger; bei jedem Schlag schössensie vor, als wenn sie ihn beißen wollten; man hörtedeutlich das Zahneklappern und sah wie die Zunge jedes-mal wie ein Pfeil auf die Finger des Indianers schoß.Er hatte sich weder mit einem Kräutersaft, noch mit sonsteinem Mittel verwahrt.

Es ist sicher ein Grundsatz, daß alle Schlangen ansser-ord entlieh furchtsam sind, nicht Menschen angreiffen mögen;werden sie aber gedrückt oder aufgehalten, so brennen sie