Buch 
Gottfrid Arnolds unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie : von Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688
JPEG-Download
 

von denen Kätzer-Geschichten

rühmte kunst der Gelehrten in ihren terminis.

deiinitionibus, limitationibus , restrictioni-bus, exceptionibus, conclusionibus Ultö der--

gleichen Land nicht gelernet / und mit solcherBabelischen spräche ihre conceptus nicht aus-drücken/ oder sonst mit äußerlichen dingen ei-nen schein und ansehen machen mögen.

r z. Ob nicht solche einfältige meistens arme/unansehnliche und bey der welt verachtete leu-te bey ihrem redlichen gehorsam und treue gegenGOtt / denen nasemveisen weltklüglingen undHohenpriestern allezeit verächtlich und lächer-lich vorgekommen/ daß sie dahero am ärgstenleiden und herhalten / auch dieses vorurtheilwider die so genante Laien immer gelten müssen:Wie solle uns dieser weisen was gut ist? item:Das Volck weiß vom gesetz nichts/und ist ver-flucht?

14. Ob nicht auch diejenigen offt/welche ansich selbst keines irrthums überführet werdenkönnen/dennoch damit verdächtig und verhaftgemacht werden / wenn sie nur mit solchen ver-kätzerren Personen bürgerlich umgegangen / sieunverschens entschuldiget/gelobet oder auch inandern dingen sich nicht so verhalten/als es dieClerisey von ihnen erfordert / daß diese ihnendeßwegen gerne in die haare gewolt?

i s. Ob nicht Manche/die zuvor in grossenansehen in der Kirchen gewesen / hemach/ sobald sie etwa in abnahm ihrer gnade und consi-clentz bey diesem oder jenem grossemHerrn/odersonst in eine trübsal kommen/auch so fort vondenen Heuchlern/welche bißher ihnen nicht bey-kommen können / auffeinmahl untergedrucktund verworffen worden?

16. Angleichen wenn einer aus deMundje-NeM ort weggezogen oder getrieben worden/da er sich in gegenwart nicht mehr verantwor-ten kan / ob nicht dieses denen Kätzermachernöfft anlaßund muth gegeben/ihn nun destoge-troster anzupacken und herunter zu machen/weilen weder gefahr noch schaden davon mehrzu besorgen gewesen?

17» Woraus auch ferner erhellet/ob undwarum doch soviele redliche leuteerst nach ih-rem todevon ihren mißgünstigen und feindenverklaget und verurtheilet worden / die mandoch im leben entweder nicht anfallen wollenoder nicht wol können / ja die man öffentlichJassiren lassen/oder wol gar nichr gnug lobenund erheben können? als aus den erstenzeitenvon Origene, und aus den neuen von DavidGeorgen/ bekant ist.

18. Ob dieses alles nicht eine vermesseneverläumdung und sündlichesurtheil über einenentweder abwesenden oder gar verstorbenenMenschen sey / wo man ihm noch/ da er sichnicht Mehr veranrworten kan/hinterm rückenund einseitig greuliche irrthümer/Lästerungen/und andereverdammliche dinge nachsaget/ undauffhefftet?

*9. UbcrdißobNichtviele unter denen/wel-che wircklich von den gemeinen und öffentlich-recipirtm Meinungen abgegangen/nicht alle-zeit als vorstrich wisseNdlich irrende anzusehenjeyn/sondern als schwache/ unüberzeugte/ inVersuchungen und gewiffens-Nöthen liegendesielen/ denen man mit sanffkmütigem geistzureche helssen solle?

20. Ob nicht solche mannet / welche von

GOtt mit grossen gaben ausgerüstet/unterdenverderbten Zeiten von Heuchlern und neidemschändlich verworffen worden /die' man zuvorin dem lautem zustand der Christen würdehochgehalten und nimmermehr verworssenhaben?

21. Hingegen ob nicht diejenigen/ welchesich unter dem verfall gebrüstet und über alleserhoben/ ja als die reinestenlehrerauffgeführet/wenn sie zm Apostel und ihrer jünger Zeiten ge-lebet hätten/ als die schändlichsten Kätzer/ jaals Antichristen würden erkant und verur-theilt worden seyn?

22. Gleichwie diese in dem wahren einigengründ des glaubens CHristi JEsu blind mwesen/und jene hingegen (die vermeinten Ka-tzer) eben von GOtt gelehret und wider allemenschliche gcgensatze/ Meinungen/ geböte undlehren befestiget und vollendet worden.

2Z. Ob nicht unter demöerfall in denen er-sten zeiten/und hemach in diesen letzten 2. fecu-lis,deswegtnso gar viele und mehrereKätzer alsbey der ersten Lauterkeitgemacher worden/weildie andere/so sie davor erklärt/auch durch dievernunfft und welt-philosophie/ heucheleyundgotrlosigkeitauch so gar greulich verderbet/undalso die zeugen der warheit zu verkätzern genö-rhMt gewesen?

Bey dem !H punct/von denen Materien oder katzereyettselbst ist zu überlegen:

B nicht zu zelten der Apostel und ihrerwahrenjünge/dergeisi der weißheit undoffenbahruNg bey den Christen so ummvschräncktgewesin/daß ihnen weder von GOttnoch menschen ein gewisseszielgesißetworden/in ansehung derjenigen unesidllchen tieffen dergeheimnüssen GOtres / welche alle und jede»menschen / wo sie auch täglich darinnen zunäh-men/ in ewigkeit nicht gnug erforschen und fas-sen könren.

2. Ob dahero nicht dasjenige hohe Maaßder erkäntnäß von solchen geheimnüssen undwundem GOttes in denen ersten zeirenals einegäbe GOttes erkant und gepriesen worden /welchedieverfalleneLehrer/ nachmals/weil sieselbst nichts davon gehabt/uni>erfahren/ver-kätzert haben?

z. Ob auch nicht (derer Patriarchen undProphetenzugeschweigen) sowolvorCHristiZeiten als nichr lange noch nach denselben dieMit recht also genannten kätzrreyen nicht imverstand / sondern vornehmlich im willen be-standen? nachdem ja zuföderst dieser sich zumbegriff und annehmung der falschen dinge nei-gen und ergeben müssen / ehe sie der verstand ge-saffet und ausgebracht hat?

4; Was dannenhero zu gedachten zelten dierichtschnUr oder eigentliche norm oder canongewesen / wornach man alle irrende dazumal ge-messen und geurtheilet?

s. ObdiesisdiegantzeH.Schrifft/wiewl'rsie jetzo haben/seyn können / da vor CHristi zel-ten das neue Testament Noch nicht oftenbarge-wesen/und nach denenselben über ?oo. jähr anvielen haubt-stücken und büchern der H.Scbrifft öffentlich und insgemein gezweiffeltA? UNS