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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
Entstehung
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I. Zur Geschichte tler Autographcnsammlungen.

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Luther eigenhändig geschriebenen dünnen Quartband, welcher einigeseiner in der Gefangenschaft auf der Wartburg zum Druck ausgearbei-teten deutschen Tractate enthält, von denen einer das Original ist, nachdem der Abdruck gemacht worden, wie die am Rande befindlichenSignaturen des Setzers beweisen 1 , ln Warschau bewahrt man die vondem grossen Sobieski geschriebenen Militärjournale auf. Die Bibliothekzu Petersburg besitzt die Verhandlungen des Czaren Peter I., die Cor-respondenz MentschikofFs, 37 Bände in Folio, und die die Redactioneines neuen Codex betreffende Instruction von Katharina II. Das letz-tere Document ist in eine prachtvolle bronzene Vase verschlossen. InUpsala sieht man eine im Jahre 1566 von der Hand des Königs UlrichXIV. geschriebene Abhandlung über Astronomie. Die Bibliotheque desInstituts de France besitzt zwei Bände von Autographen und Handzeich-nungen Leonardo da Vincis und unter diesen auch die Zeichnung undBeschreibung einer Dampfkanone, welche er Architonitruo nennt.Die Zeichnung trägt die Jahreszahl 1490 und Leonardo erklärt, dasser diese Erfindung einer Schrift des Archimedes von den Feuern ent-nommen habe 2 . Die kaiserliche Bibliothek in Paris, so reich an Auto-graphen durch die Acquisitionen, welche sie an den von Pierre undJacques Dupuy, de Bethune, Lomenie de Brienne, Gaignieres, Du-fourny, Louvois, Colbert, Lamare, Baiuze, de Mesmes, Ducange, Lan-celot, Doat, Sevilly, Sautereau u. A. gefertigten Originalmanuscriptengemacht hat, besitzt Autographen von der Zeit Karls des Grossen anbis auf unsere Tage und zwar von Fürsten, Feldherren, Staatsmännern,Gelehrten, Schriftstellern, Dichtern u. s. w. u. s. w. 3 .

1. Vgl. F. K. G. Hirsching, Versuch einer Beschreibung 6ehenswurdiger BibliothekenTeutschlands u. s. w. Erl. 1786. 1. Th. S. 66.

2. Demnach hätten die Alten schon vor Christi Geburt den Dampf als bewegende Kraftgekannt.

3. Vgl. Essai sur la bibliotheque du roi (par Le Prince). Paris 1783. 12. Recherchessur les biblioth&ques, par Petit-Radel. 1S18. 8. Lady Morgan sagt in ihrenReisen.Leipz. 1821 I. Th. S. 294:Die königliche Bibliothek, wie sie jetzt wieder heisst, nachdemsie auf einander National- und kaiserliche Bibliothek genannt ward, achtet man, glaube ich füreine der grössten und merkwürdigsten Büchersammlungen in Europa. Bei dev Menge von Bü-chern, die sich dem Blick darbieten, ist es schwer, die Phantasie auf den Zeitpunkt zu beschrän-ken, wo sie, durch Carl V. gegrüudet, nur zwanzig Bande enthielt. Dieser grosse Bücher^Reichthum ward während der unruhigen Revolutionszeit vernachlässigt, allein unter der kaiser-lichen Regierung erhielt er durch die literarische Beute aus Belgien und Italien bedeutenden Zu-wachs. Uuter den Auspicien der Herren van Prat und Langles, des berühmten Orientalisten,genossen wir alles Vergnügen und jede Belehrung, welche die tiefste Gelehrsamkeit, liberaleMittheilung und schmeichelhafte Aufmerksamkeiten gewähren können. Was mich unter den vie-len seltenen Manuscripten , die vorzüglich unsrer Aufmerksamkeit empfohlen wurden, am mei-sten interessirte, war eine Sammlung Briefe von Pope und einige, wegen ihrer Kalligraphiemerkwürdige, Handschriften von Rousseauj ein Virgil, mit Racines eigenhändigen Eandbemer-