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I. Zur Geschichte der Autographensammlungen.
eine grosse Anzahl autographischer Briefe der Könige von Englandauf; einige Briefe der Königin Elisabeth zeichnen sich durch Styl undKalligraphie aus 1 . In Prag befindet sich eine Logarithmentafel vonder Hand des Astronomen Tycho de Brahe. Die Bibliothek zu Bolognaenthält die Manuscripte des Papstes Benedict XIV. , des berühmtenNaturforschers Aldrovandi, des Caspi und Eustachio Manfredi. Beiden Dominicanern zu Bologna sieht man das Manuscript des Penta-teuch, welches von Esdras geschrieben sein soll. Zürich besitzt dasOriginalmanuseript des Quinctilian und eine grosse Zahl autographi-scher Briefe von Johanne Gray an den gelehrten Bullinger. In Genfzeigt man die Briefe und Reden Calvin’s. Die Bibliothek des Vaticanbesitzt das autographische Manuscript der Epigramme des Petrarka.Die St. Johannes-Bibliothek zu Carbonara in Sardinien besitzt das Ma-nuscript des Befreiten Jerusalem und der übrigen Werke des TorquatoTasso und Bernardo Tasso. In Berlin befindet sich ein von Albert I.,Herzog von Preussen, geschriebener Band, worin er seinem Sohne dieRegeln und Principien einer guten Regierung vorzeichnet. In Krakauist die lateinische Encyclopädie, von Hieronymus von Prag geschrie-ben, während er in den Gefängnissen von Pilsen in Böhmen schmach-tete. In der Rathsbibliothek zu Danzig findet man den frobenschenPsalter, welchen Luther als Handexemplar benutzt hat, und einen von
1. Das Museum enthält auch eine der reichsten Manuscriptsammlungen. Den Stamm dersel-ben bildeu die cottonianischen und herleanischen Handschriften, zu denen hernach die sloani-sche Sammlung kam, so dass im Jahre 1800 bereits 14,910, 1840 aber 23,900 Manuscripte vorhan-den waren. Von den neuen Erwerbungen erscheinen besonders folgende beaclitenswerth: eineSammlung von 53 morgenländischen Manuscripten aus dem Besitze des Dr. Sternschuss, welchemehrere kostbare Geschichtswerke in arabischer, sowie eine Abschrift des Neuen Testaments inarmenischer Sprache enthält, letztere auf Pergament aus dem Jahre 151$ (die Copie einer Ab-schrift vom Jahre 1280) mit Miniaturgemäldeu; eine wunderschöne Copie der persischen Fabeludes Bidpai (Anwary Suhaili), mit vielen vortrefflichen Miniaturbildern aus dem 16. Jahrhundert;die metrische englische Chronik, angeblich von Robert von Gloucester, bis zu Ende der Regie-ruug Heinrich's III., auf Pergament, aus dem 14. Jahrhundert; der Text der Apokalypse in la-teinischer und anglo - normannischer Sprache, mit eigentümlichen Zeichnungen auf jeder Seitevon der Hand eines englischen Künstlers aus dem 13. Jahrhundert; eine Copie der lateinischenVulgata geschrieben und illuminivt in Italien um die Mitte des 14. Jahrhunderts, im besten Ge-schmack jener Zeit und auf Pergament; die Geschichte des Alten und Neuen Testaments, mitlateinischem Text und Commentar unter Beigabe einiger tausend wahrscheinlich in Frankreichum das Jahr 1300 sehr geschickt gefertigter Zeielmungsskizzen, auf Pergament; ein NotizenbuehJacob’s, Herzogs von Monmouth, in seiner Handschrift, wie es sich nach seiner Gefangennehmungim Juli 1685 bei ihm vorgefunden; eine grosse Anzahl autographischer Briefe von geschichtli-chem und literarischem Werthe aus dem 15., 16., 17. und 18. Jahrhundert, darunter der Origi-ualbefehl an den Lord-Mayor vom 17. December 1653, Oliver Cromwell zu proclamiren; der au-tographische geheime Briefwechsel Karl’s I. mit dem Hauptmanu Titus von 1648 während desElfteren Gefangenschaft im Schlosse Carisbrook auf der Insel Wight; 81 Briefe der Königin Ka-tharina von Braganza an ihren Bruder Peter II. von Portugal, 1688 — 1691. Vgl. Bl. f. lit. Un-terh. 1853 No. 2.