I. Zur Geschichte der Autographensammlungen.
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Papieren, wären sie es geworden, wenn sie je den ungeheueren Werthund die hohe Bedeutung erwogen hätten, die gewisse Werke durchihre Randglossen und Zusätze, die gewisse Urkunden und Papiere fürdie Geschichte der Völker und grosser Menschen haben? Das Mess-buch der Kapelle Capet zu Versailles sollte eben die Bestimmung er-halten, Patronen zu liefern, als die Nationalbibliothek sich des Buchsbemächtigte, dessen Inhalt, Vignettenarbeiten und historische Briefezu den Meisterwerken ihrer Art gehören.“ Auf Veranlassung Gregoire’shielt der Convent eine Sitzung und befahl, die Verbrennungen undZerstörungen einzustellen.
So endete eine Barbarei, die nur zu lange gewährt hatte; dieKünste und Wissenschaften fanden wieder einen Beschützer an derneuen Regierung. Die Gelehrten und die Reihen der Aufgeklärten,welche dem Schwerte der Kannibalen entgangen -waren, überliessensich von Neuem dem Studium und wagten es bereits, eine unparteii-sche Geschichte jener Krisis zu schreiben, die Frankreich soeben über-standen. Da erkannte man denn auch die Wichtigkeit der Autographenwieder; aber wo wichtige Autographen und kostbare Dokumentesuchen? So viel war eine Beute der Flammen geworden! . . . Es bliebden Sammlern nichts als ein Abfall von Originalschriften, welche dieVerwaltung zum Mörser verurtheilt hatte oder die nach dem Ablebeneiner berühmten Person von ihren hungrigen Erben in die Krämerla-den verkauft worden waren. Und so scheuten sich Männer voll Liebezu den historischen Wissenschaften nicht, sich an die Tische der Krä-mer zu setzen, ihren Papierkram zu durchstöbern und ihre Kabinettezu schmücken mit Blättern, welche die ungewaschene Hand eines un-gebildeten Beamten aus einander gerissen hatte. Mit diesem mühsa-men Suchen beschäftigt begegnen uns häufig Villenave, Monmerque,Alexandre Martin, der Oberst Morin, Berthevin u. s. w., deren Wis-sen und Eifer an einen Brienne, Dupuy, Mesmes u. s. w. u. s. w. er-innern.
Von dem Sammeln der Aktenstücke der Revolution ging man in-dessen zum Sammeln von Schriften über, die irgend durch bemerkens-werthe Thaten oder wichtige Arbeiten berühmt gewordenen Personenangehörten. Den Sammlern zu Wunsch war die Ankunft der vaticani-schen Archive und die der durch die siegreichen französischen Armeeneroberten Städte. Damals vanderten ganze Wagen voll Diplome, päpst-licher Bullen, königlicher Handschreiben zum Krämer, um seinen La-
Günther, Handbuch f. Autographensammler. 2