lg I. Zur Geschichte der Autographensammlungcn.
den mit Diiten zu versehen. Welch’ reiche Ernte für den Liebhaber!D as war die gute Zeit für die Autographensammler; aber die Passionfür diese Sammlungen wurde seitdem doch seltener. Man unterschiedzwei Arten Sammler: die einen, und diese waren die Gebildeteren, hiel-ten sich nur an die Wichtigkeit des Inhalts des betreffenden Stücks,die anderen suchten nur den berühmten Mann, unbekümmert um denInhalt seiner Schrift.
Im Jahre 1801 wurde der Versuch gemacht, eine Sammlung,welche von dem Marschall Richelieu herrührte, öffentlich zu verkau-fen. Es fanden sich keine Käufer und doch waren die Papiere nichtohne Interesse. Es waren Handschriften von Pamphlets, Neuigkeiten,Chansons und dergleichen, welche sich auf die Zeit Ludwig’s XV., alsovon 1723 bis 1774 bezogen. Einige der Nachrichten waren von desMarschalls eigener Hand angemerkt. Ferner waren Unterzeichnete undnicht Unterzeichnete Briefe an Richelieu dabei, geschrieben von Damendes Hofes, welche zu dem Sieger von Genua und Mahon in Beziehungstanden. In einem grossen Rahmen befand sich unter Glas eine Samm-lung von Haaren aller Farben, schwarz, blond, braun, geordnet undkokett mit Seidenfädchen befestigt, auch mit Etiketten versehen; un-glücklicher Weise war das Glas durch einen Zufall zertrümmert wordenund die Löckchen und Etiketten waren in Unordnung gerathen. DieHandschriften wollte endlich der Marquis von Villevieille, Voltaire’sFreund, kaufen; zum Unglück bot jetzt ein Buchhändler einen höherenPreis und einige Jahre nachher wurden die Manuscripte zerstreut, ver-einzelt, den vielen Sammlungen, die sich seitdem gebildet hatten, ein-verleibt und so des Werthes beraubt, den sie in ihrer Vereinigung ge-habt hätten 1 .
Im Jahre 1814 nahmen die Sammlungen von Villenave, Berthe-vin, dem Marquis de Chateaugiron, Monmerque, Alexandre Martinu. s. w. u. s. w. bereits einen bedeutenden Rang ein und gewährtendem Manne der Wissenschaft und dem unparteiischen Forscher zahl-losen Stoff für die politische und literarische Geschichte Frankreichs.
Die zweite öffentliche Versteigerung von Autographen fand 1815beim Verkaufe der Büchersammlung des Abbe von Tersan Statt.
1820 wurde die Bibliothek des ehemaligen ConventsmitgliedsCourtois und mit derselben eine Anzahl Autographen verkauft. Vonnun an nahm der Geschmack am Autographensammeln um einBeträcht-
1. Blätter f. lit. Unterh. 1843 No. 332.