II. Natur der Autographen. Autographenfälschungcn. 47
kein Mensch von einiger Bildung sich unterstehen wird, es Schillerzuzuschreiben
3. Nr. 309 ein dramatischer Schwank: „Herr und Diener“, spie-lend in einer Edelmannsfamilie zur Zeit des Hubertsburger Friedens.Es gibt keinen Ausdruck für die Unverschämtheit, so etwas Schillernbeizulegen: Yerse, wie z. B. S. 10:
„Ich bin gespannt, was alles er wird sagenUns noch in diesen seinen Briefen da,
Auch brauchen wir nun wohl nicht mehr zu klagen,
Dass ihm vielleicht 'was Uebeles geschah.“ —
Verlangt man zum Ueberfluss noch einen Beweis, dass dies er-bärmliche Ding nicht Schiller’s Werk sei, so gehen ihn die Thüringi-schen Idiotismen, z. B. S. 11:
„Weil über’m Frieden fiel so manches Wort.“
u. s. w.
Hier folgen noch mehrere Beispiele, die wir übergehen. Ganz be-sonders glauben wir aber noch die Stelle des Gutachtens hervorhebenzu müssen, worin dasselbe drei angeblich Schiller’sche Handschriften,nämlich: einen „Prolog in Tiefurt“, einen „Prolog in Ettersburg“ undein „Spiel in Ettersburg“, als „durchaus gehaltlose Sudeleien einesPoetasters ohne Anlage und ohne Bildung“ bezeichnet und die Unmög-lichkeit, dieselben Schiller zuzuschreiben, auch durch folgende äussereGründe genügend nachweist: „Sollte Jemand im Stande sein, an dieMöglichkeit ihrer Abfassung von Schiller zu glauben, so ist zu erin-nern, dass die Liebhabervorstellungen der Weimarischen Hofgesell-schaft in der Zeit nach 1784 nicht mehr in Tiefurt und Ettersburg statt-fanden, sondern seit dem genannten Jahre, in welchem die Bellomo-sche Schauspielertruppe gemiethet wurde, eingingen. Einzelne spä-tere Liebhabervorstellungen wurden in Weimar, nicht aber in Tiefurtund Ettersburg veranstaltet. Von einem Spiel an den letztem Ortenwährend der Aufenthaltszeiten Schiller’s in Weimar (1787 —1789 und1800 —1805) weiss das Hoffourirbuch, welches alle solche Feste ver-zeichnet , Nichts. Ebensowenig erwähnen die Briefe Schiller’s und sei-ner Freunde Etwas davon. Hätte Schiller nur einmal, geschweige, wieuns diese Falsa vorspiegeln wollen, dreimal seine Muse diesen Unter-haltungen gewidmet, so wäre Das unmöglich unerwähnt in der Zeit-und Erinnerungsliteratur geblieben.“