46 II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen.
in Drucken vorliegen, oder solche, die blosse Fehler des Schreibersdarstellen. Unter so vielen Gedichten von Schiller’s eigener Handmusste, da er an manchen viel gefeilt hat, doch einmal eines mit einerAbweichung im Einzelnen begegnen. Keine solche Originalspur Schil-ler’s haben wir in diesem Yorrath angetroffen, wohl aber b. viele, alsProducte von Schiller bisher nicht bekannte Stücke, sog. Inedita, dieihm zuzuschreiben unmöglich ist. Es genügt, anzuführen, dass Fol. 9in diesem Fascikel ein Fragment aus Novalis (v. Hardenberg) für einesvon Schiller geben will. Es ist von der ersten der Hymnen an die Nachtvon Novalis der Anfang und der grösste Theil des ersten Hauptabsa-tzes wörtlich. Man sage nicht, Schiller habe sich dies Stück aus demAthenäum, wo es zuerst erschien, abgeschrieben. In seinen Briefenliegt vor, dass ihm die Herausgeber des Athenäums und die Romantik,zu der diese Hymnen gehören, auf das Entschiedenste zuwider waren.Man kann auch nicht sagen, er habe sich’s abgeschrieben, um es ge-legentlich zu kritisiren oder lächerlich zu machen. Er würde das Stückdann doch mit Verstand abgeschrieben haben. Der Fälscher dagegenhat, um es Schillern beizulegen, einige kleine Weglassungen und will-kürliche Aenderungen gemacht, wodurch das erste Satzende völlig zumUnsinn geworden ist.
Von so elender Fabrik sind die meisten dieser Inedita, wenn sichauch nicht gleich nachweisen lässt, welche obscure Journalblätter oderAbfälle vergessener Literatur für die einzelnen benutzt sind!
Die poetischen Inedita sind eben so zuverlässig unächt. Da ist
1 . Nr. 382 ein Idyll: „Die Gräfinnen“ in schwäbischem Dialektund in Hexametern, der Ton nicht übel, der Dialekt richtig und nichtohne Geschick in das Versmass gebracht. Von Schiller kann es abernicht sein; diese Art Poesie lag nicht in den Intentionen seiner Na-tur; sein Genius und seine Grundsätze führten hoch darüber hinaus.Wir haben reichliche Dokumente über Schiller’s Beschäftigungen, auchdie blos angefangenen oder projectirten — nicht die leiseste Spur abervon einer nur irgend mit dieser provinziellen Idyllik verwandten Ab-sicht. Es werden sich auch vor Hebel’s Vorgang, dessen allemannischeGedichte zuerst 1803 (in Schiller’s ernstgespanntester, letzter Lebens-zeit) erschienen, schwerlich Hexameter in schwäbischem Dialekt nach-weisen lassen.
2. Nr. 379 ein dramatisches Nachspiel; „Die Schwärmerin“. Dar-stellung und Sprache sind so durchgehend schwach, seicht, lahm, dass