II. Natur der Autographen. Autographcnfälschungen. 49
scheiden vermöchten. Denn wer mag wissen, wie viele solche Fabri-kate sich noch in der Welt umhertreiben und vielleicht durch die dritte,vierte Hand, im besten Glauben an ihre Aechtlieit, in Auctionen oderim Wege des Privatverkaufs in den Handel kommen. Viel kürzer wer-den wir sein können über den andern Theil jenes Prozesses, der sichauf den sogenannten subjectiven Thatbestand, d. h. die dem Architek-ten von Gerstenbergk beigemessene, von diesem aber beharrlich ge-leugnete Urheberschaft jener falschen Handschriften bezieht.
Das Hauptmoment der Vertheidigung seitens des Angeklagtenmusste natürlich darin bestehen, dass er nachzuweisen versuchte, erhabe die Handschriften aus solchen Quellen bezogen, welche derenAechtheit, d. h. ihren Ursprung von Schiller selbst, zu verbürgenschienen. Als solche Quellen gab Gerstenbergk an:
1. den verstorbenen hiesigen Bibliotheksdiener Römhild, der,nach Gerstenbergk’s Behauptung, beim Verpacken von Büchern ausdem Nachlasse des verstorbenen Obermed.-B. Froriep hier (welche anden Buchhändler Lippert in Halle verkauft wurden) viele solcher Hand-schriften gefunden und heimlich an sich gebracht haben sollte. DieseBehauptungen wurden aber entkräftet
a. durch die Aussage des, von Gerstenbergk als Zeuge aufgeru-fenen, Gehülfen Römhild’s, Wiegand, welcher leugnet, von jenemFunde Römhild’s Etwas zu wissen oder gar dem Gerstenbergk Etwasgesagt zu haben;
b. durch die Aussage des jungen Römhild, welcher nichts vonsolchen Handschriften-Schätzen seines Vaters, sondern nur von dreibis vier kleinen Zetteln mit Schiller’s Namensunterschrift weiss, dieJener gehabt habe, auch schlechterdings leugnet, mit Gerstenbergk(wie dieser behauptete) über einen Handel zwischen Letzterem und sei-nem Vater gesprochen zu haben;
c. ganz besonders aber durch die Aussage des Geh. M.-R. Fro-riep, dass unter jenen Büchern seines Vaters zwar vielleicht einzelnekleine Blätter, keinesfalls aber ein irgend erheblicher Vorrath von Au-tographen sich befunden haben könne, da theils sein Vater, was ervon Autographen besessen, in einer besonderen Mappe aufbewahrt, an-derntheils aber er selbst vor der Verpackung jener Bücher alles Schrift-liche davon abgesondert habe.
2. Den gleichfalls seitdem verstorbenen Bücherhändler Rodeckin Jena, welcher eine Menge Schiller’scher Handschriften aus dem
Günther , Handbuch f. Autographensammler. ^